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Peru mit der Bahn

Posted by on Dec 29 2007 | Deutsch

Bahn, Bus und Pickup
” Flo, sind wir auf der richtigen Strasse? Ich möchte keinesfalls diese Strasse wieder bergauf zurück in die Stadt fahren müssen!”, sagte ich. Also fragten wir erneut nach dem Weg, bereits zum vierten mal und wieder wurde uns versichert, dass diese Strasse nach Izcuchaca und weiter nach Ayacucho führt. Unsere Straßenkarte verzeichnete zwei Strassen nach Ayacucho, der nächst größeren Stadt nach Huancayo. Wir suchten die Route auf der rechten Seite des Flusses nach Izcuchaca und in die Berge und nicht die Route durch das trockene und heiße Flusstal. Momentan befanden wir uns auf der falschen Seite des Flusses und auch die Straßennummer stimmte nicht überein. Endlich erreichten wir eine Kreuzung, auf der wir in ein Dorf abbiegen konnten, dass auf unserer Karte war, aber nach etwa drei Kilometern machten die Strasse einen großen Bogen und führte genau wieder in die Richtung, aus der wir kamen. Wieder fragten wir nach dem rechten Weg und wurden zur Kreuzung zurückgeschickt. So langsam dämmerte uns, das unsere Karte absolut nicht stimmte. Später fanden wir heraus, dass die Karte eine nicht existierende Strasse verzeichnete und die Strasse, die wir nehmen mussten war falsch markiert und Teile davon fehlten auf der Karte völlig. Nach einem Umweg von 10 km waren wir wieder auf der richtigen Fährte und radelten auf einen ganz normalen ” über 4000m” Pass. Die Landschaft war hier trocken und felsig, die Erde tieforange. Die gesamte Fläche bis hinauf in die Berge wurde eingeteilt in schmale Rechtecke, landwirtschaftlich genutzt. Schon bald wand sich die Strasse wieder bergab und wir glitten an Dörfern und Feldern vorbei, verloren all die Höhenmeter, die wir mühsam erklommen hatten. Eigentlich hielten wir Ausschau nach einem Restaurant für die Mittagspause, aber keines war geöffnet und als wir in dem letzten Ort vor Izcuchaca anhielten kamen Kinder derart schreiend und lachend auf uns zugerannt, dass wir schnell die Flucht ergriffen und bis zur Bahnstation in Izcuchaca nicht mehr anhielten. Von hier wollten wir am nächsten Tag zur Abwechslung 70km mit dem Zug nach Huancavelica fahren. Aber wir sind in Peru und nichts ist sicher, also ging ich gleich mal zum Schalter, um mich nach dem Fahrplan und dem Preis zu erkundigen. Es stellte sich heraus, dass morgen gar kein Zug fuhr, sondern heute, genauer gesagt in 15 Minuten. Der Angestellte bezweifelte, dass die Fahrräder im Zug Platz finden würden. Normalerweise ist Gepäck in Peru kein Problem, irgendwie geht es immer. Also sagte ich ihm, dass wir es auf alle Fälle versuchen wollten. Den Anhänger falteten wir auf Rahmengröße zusammen, packten den Inhalt in unsere Rucksäcke und entluden die Bikes. Bei diesen Vorbereitungen wurden wir von einer Gruppe Kinder genau beobachtet. Endlich rief der Fahrkartenverkäufer den Zug aus und der Schaffner meinte für unsere Räder sei Platz in der Zugmaschine. Der Fahrkartenverkäufer bezweifelte dies und teilte uns seine Bedenken im Minutenabstand mit. Der Zug fuhr ein und viele Menschen mit ihrem Gepäck stiegen ein und aus. Flo brachte die Bikes zur Lok und konnte sie dort festbinden, während ich unser Gepäck in den Wagon lud und Chan bewachte derweil unsere Sachen. Der Anhänger fand bei uns Platz und schon rollten wir aus dem Bahnhof hinaus.
Wir hatten zuvor die Zuggleise gesehen, meist zugewachsen, angefüllt mir Erde und auch nicht sehr gerade. Aber wie fühlte sich das im Zug an! Er schwankte von einer Seite zur anderen. Wir beschlossen uns nicht zu sorgen, sondern die Fahrt zu genießen. Da wir mittlerweile sehr hungrig waren, kauften wir Brot bei einer Verkäuferin im Zug. Die Gleise folgten einem Fluss durch einen schmalen Canyon, langsam, sehr langsam gewannen wir an Höhe. An jeder Haltestelle stiegen noch mehr Menschen mit großen Bündeln Gepäck zu. Die Haltestellen waren ein Chaos von hin und her eilenden Leuten,  Frauen und Kinder verkauften Brot, andere Lebensmittel und Getränke. Jungen warteten mit ihren dreirädrigen Lastenrädern auf Kundschaft.
Dann begannen die Tunnel. Mittlerweile war die Dunkelheit hereingebrochen und jedes Mal, wenn wir einen Tunnel befuhren, wurde es pechschwarz im Zug, da es keinerlei Licht gab. Draußen gab es fast nichts mehr zu sehen und im Zug begannen die Leute mit dem Schaffner über die Fahrpreise zu diskutieren, schoben das Gepäck hin und her, aßen und tranken. An einer Station betraten zwei Frauen den Zug, über und über beladen mit schweren Bündeln voller Kräuter. Sie nahmen gegenüber von unserem Gang Platz. Die Kräuter dufteten aromatisch aber langsam begann sich ein starker Knoblauchgeruch auszubreiten. Flo fand bei einem Toilettenbesuch den Grund dafür, eine Frau hatte lauter Beutel mit geschälten Knoblauchzehen in dem winzigen Klo gestapelt.
Um 9 Uhr abends erreichten wir Huancavelica. Jetzt mussten wir unser gesamtes Gepäck, einen übermüdeten Chan und die Räder ausladen. Die Zugarbeiter wollten plötzlich Geld für den Transport der Räder und als wir alles aufgeladen hatten und losfahren wollten, hielt uns einer von ihnen an und sagte wir wären schwarz gefahren.  Glücklicherweise hatte ich noch die Fahrkarten und der Schaffner konnte ihn überzeugen, dass auch der Radtransport ordnungsgemäß bezahlt worden war. Schnell hatten wir ein Hotel gefunden und gingen noch was Essen. Wir beschlossen, da es so spät war, morgen auszuschlafen und noch einen Tag hier Rast zu machen. In einer Strasse sahen wir einen Hund an einem blutigen Kuhschädel samt Hörnern nagen. Chan wollte wissen, was der Hund da aß, Flo erklärte es ihm so gut er konnte. Chan war eine ganze Weile still, dann fragte er plötzlich: ” Und wo ist die Kuh?”
Regenbogenberg
Als wir auf einer Schotterstrasse Huancavelica verließen, rannten uns aus jedem zweiten Haus Hunde hinterher. Der Morgen hatte schon schwierig begonnen, Chan brachte mich auf die Palme, weil ich ihm nichts Recht machen konnte, bald wollte er das, dann das. Als wir das Hotel verließen hatten wir wieder mal Zuschauer, sie versuchten Chan in seinem Hänger anzufassen und jetzt diese dummen und gefährlichen Hunde. Ich war bedient. Nur ein paar Kilometer hinter der Stadt änderte sich die Landschaft und war einfach wunderschön, auch die Strasse war ok und so besserte sich meine Laune zusehends und ich genoss die Fahrt. Bald sahen wir viele  Lamas und Alpakas. Die Felsen in ihren leuchtenden Orange und Rottönen wirkten fast surreal. Auf 4170m Höhe sollte sich ein Dorf befinden, aber es war verlassen. Also machten wir Picknick vor der Ruine eines Lehmziegelhauses und aßen Brot, Oliven und Käse. Der Wind frischte auf und ich begann die Höhe in Form leichten Schwindels zu fühlen. Wir folgten der Strasse zu einer der höchsten Hochebenen in Südamerika (über 4400m). Plötzlich kam eine Herde Lamas in vollem Galopp die Strasse entlanggeprescht. Vor uns wurden sie langsamer und dann ging eines nach dem anderen an uns vorbei.
Flo holte Wasser aus einem Bach und wir suchten einen Platz zum Übernachten. Es gab keine Büsche oder Bäume, nur Pampa. So versuchten wir unser Zelt hinter einem kleinen Hügel neben der Strasse zu verstecken. Am Morgen zog eine Herde Schafe an unserem Zelt vorbei, Kinder spielten nebenan und eine Frau kam vorüber, rief etwas auf Quechua und eine Weile später kam sie mit Schafen zurück. Eigentlich hätten wir unser Zelt direkt neben der Strasse aufstellen können, wohl das ganze Tal wusste, dass wir hier waren.
Die Strasse führte in Richtung eines roten Berges, der jetzt in der Morgensonne regelrecht strahlte. Immer noch fuhren wir bergauf und am Horizont zeigten sich neue Gipfel, je höher wir kamen. Die Felsen leuchteten in immer neuen Farben, als ob sie im Regenbogen gebadet hätten. Oft mussten wir anhalten um diese Schönheit der Bergwelt zu bestaunen. Weiterhin fuhren wir bergan und die Strasse führte hinauf und hinauf, bald müssten wir den Himmel berühren können! Die Passhöhe war auf  4853m. Von einer Seite zogen dunkle Regenwolken auf, auf der anderen hatten wir eine zauberhafte Sicht auf Bergketten, Seen und Felsformationen. Die Wolken trieben uns zur Eile.
Entlang der Seen lebt ein kleines Tier, eine Art Murmeltier, dass anscheinen dem Hasen die Ohren gestohlen und orange angemalt hatte, der Schwanz stammte vom Eichhörnchen, nur schien die Spitze verbrannt, wie sonst konnte sie so kohlrabenschwarz sein. Es war schnell, das kleine Wesen, wir schafften es nicht es auf Film zu bannen. Die Nacht verbrachten wir in Santa Ines auf über 4600m. Unsere Herberge hatte kein Wasser, nicht mal einen Eimer, um die Toilette zu spülen. Als Florian nach Wasser fragte, bekam er von dem Jungen zur Antwort: ” Wir haben selber keins.” Aber hier gibt es einen Fluss und einen See!” Der Junge zuckte die Schultern: “Der Fluss ist durch die Bergbaumine verseucht und der See ist tot.” “Aber woher bekommt ihr euer Wasser?” fragte ich. “Wir müssen es von weit her holen. Seit zwei Wochen hat das Dorf kein Wasser mehr, da die einzige Quelle ausgetrocknet ist. Die Regierung hat versprochen, etwas zu tun, also haben wir vielleicht in zwei oder drei Wochen wieder Wasser.” Erklärt der Junge.
Zwanzig holprige Kilometer brachten uns zurück auf den Asphalt. Erneut ein Pass, eine Abfahrt und wir befanden uns auf dem Weg zu unserem zweithöchsten Pass. Es war ein langer Anstieg und es wurde bereits spät. Im nächsten Dorf fragten wir nach einer Herberge, statt dessen konnten wir die Nacht in dem einzigen Patientenzimmer der Krankenstation des Roten Kreuzes verbringen. Eine nette Geste der Aerztesin, allerdings waren die Kinder des Dorfes besonders aufdringlich. Beobachteten uns aus nächster Nähe, während wir draußen unser Essen zubereiteten und starrten durch das Fenster, als wir aßen und unsere Betten aufschlugen. Das winzige Hospital hatte keine Elektrizität, nur einen Generator für den Notfall. Die Toilette war außer Betrieb, statt dessen gab es ein Loch im Garten.
Mindestens hundert Kehren brachten uns auf eine Höhe von 4750m. Oben wartete bereits ein LKW auf uns. Einige Frauen und Kinder kamen uns entgegen. “Nicht mal hier oben sind wir alleine!” knirschte Flo durch die Zähne. Also gab es wieder mal eine typische -ein paar Fotos machen, Kekse essen, Sand gegen den Wind schmeißen und dabei beobachtet werden- Pause. Dann sausten wir hinab, hinab hui hinab, die Regenbogenberge, Felsen und gelbes Grass flogen vorbei. Fast 50 km ging es bergab, auf flache 1900m und in wärmere Gefilde. Statt der Lamas gab es nun Kühe, Pferde und Esel und statt der kargen Pampa, Eukalyptusbäume und Kiefernwälder.
Im Tal beendeten wir unsere Fahrt für heute und tranken noch einen Kaffee, bevor wir uns in unser “Quartier” begaben. Dort wurde die Bettwäsche noch schnell durchs kalte Wasser gezogen, in der Sonne getrocknet und uns überreicht. Flo räumte den Müll aus dem Zimmer, dann konnten wir unser Gepäck reintragen. Nun, wir zogen es vor, in unseren eigenen Schlafsäcken und im Zelt, dass wir im Zimmer aufgestellt hatten zu nächtigen.
Weitere 27 Kilometer brachten uns zum letzten Pass vor Ayacucho, dieser war nur 3900m hoch. Am frühen Nachmittag trafen wir in Ayacucho ein.
Ein Stück des Weges mit dem Bus
Vor uns lag ein Wegstück, das Extreme versprach. Einige Pässe von über 4000m und dazwischen heiße, tropische Täler, die Straße zudem unasphaltiert. Folgende Informationen über die Strasse hatten wir von Freunden erhalten: viele Abschnitte glichen eher einem Flussbett, als einer Strasse, wir mussten viel schieben. Noch einen Monat galt unsere Aufenthaltsgenehmigung für Peru. Dieser 380km lange Schotterabschnitt würde uns mindestens zwei Wochen kosten. Zwei Wochen, die uns keinen Spaß machen würden und Chan wäre wohl auch kaum glücklich mit einer weiteren Schütteltour. Also entschieden wir uns für den Bus, er uns nicht nur extreme Anstrengung, sondern auch das Geld für die Visaverlängerung sparen würde.
Wir erkundigten uns bei ein paar Busgesellschaften, doch es gab nur eine Einzige, die diese schwierige Strecke befuhr. Wir buchten die erste Sitzreihe, um uns wenigstens ein bisschen an der Landschaft erfreuen zu können. In der Nacht vor der Abfahrt packten wir alle unsere Sachen aus dem Anhänger in Rucksäcke und um 6 Uhr früh rollten wir durch die Stadt zum Busterminal. Dort klappten wir den Anhänger zusammen. Als der Bus eintraf verlud Flo die Räder und unser Gepäck, während Chan und ich auf die anderen Sachen aufpassten. Die erste Überraschung war, dass wir nicht ganz vorne saßen, sondern in der zweiten Reihe. Das war leider nicht mehr zu ändern, aber die Vordersitze waren von ebenfalls zwei Touristen besetzt, die nach der Hälfte der Fahrt mit uns tauschten. Der erste Abschnitt nach Andahuylas dauerte 10 Stunden. Zur Mittagszeit hielten wir an einem Restaurant. Ich blieb noch im Bus sitzen, um Apfelstücke für Chan zu schneiden, während die beiden Pinkeln gingen. Als ich ebenfalls aussteigen wollte, musste ich feststellen, dass die Tür verschlossen und ich eingesperrt war. Keiner hatte uns darauf hingewiesen, dass wir während der 40 minütigen Pause weder in noch aus dem Bus konnten. Der Fahrer war unauffindbar.
Um fünf Uhr Nachmittag kamen wir in Andahuaylas an. Hier mussten wir umsteigen, der nächste Bus sollte um sieben abfahren. Ich besorgte uns etwas zu essen, Reis mit gebratenen Zwiebeln. Es begann zu regnen und wir suchten für uns und unser Gepäck einen Unterstand, endlich kam der Bus. Als Flo begann, die Räder aufzuladen, sagte man uns, dafür wäre kein Platz. “Gut, dann lade ich die Räder halt zu den Passagieren!”, meinte Flo. “Wir haben die Tickets in Ayacucho bis nach Abancay gekauft und wir haben extra für das Gepäck bezahlt und wir werden in diesem Bus mit unserem gesamten Gepäck mitfahren, wie ihr wisst fährt morgen wegen der Volkszaehlung kein Bus!” Jetzt gab es plötzlich Platz, aber als kleine Schikane musste Flo noch die Vorderräder ausbauen und einer unserer Rucksäcke wurde weit weg auf der anderen Busseite verstaut. Im Bus wartete eine nette Überraschung auf uns: Tee und Gebäck wurden serviert. Es war bereits dunkel, als wir Andahuaylas verließen. Der Bus fuhr furchtbar langsam und hielt aus unerklärlichen Gründen auch noch immer wieder an. Chan war gleich eingeschlafen. Nach etwa vier Stunden wurde ich ungeduldig, warum fuhren wir so langsam? Endlich sahen wir tief unter uns im Tal die Lichter von Abancay. Die Abfahrt war eine Tortur. In riesigen Schleifen zog sich die Strasse über den gesamten Berg und verlor dabei kaum an Höhe. Auf halber Strecke stoppten wir und das Personal wechselte mit einem entgegenkommenden Bus. Busse anderer Gesellschaften überholten uns. Warum konnten die schneller fahren? Statt wie geplant um 10 Uhr erreichten wir Abancay erst um 1 Uhr nachts. Jetzt mussten noch die Fahrräder und das Gepäck abgeladen und der Trailer wieder zusammengebaut werden. Chan wachte auf und klammerte sich an mir fest, bis wir ihn in den Anhänger setzten konnten, wo er sich wieder sicher fühlte und zu spielen begann. Um halb 2 machten wir uns auf die Suche nach einem Hotelzimmer. Die meisten Hotels waren bereits geschlossen. Wir fanden endlich eins, das noch offen war, es war wirklich schäbig, aber wir hatten keine Wahl. Zumindest war der Besitzer nett, er half uns die Räder und alles hoch ins Zimmer zu tragen. Es war nach zwei, als wir endlich die Augen schlossen.
Bakterielle Invasion
Wir freuten uns schon auf Cuzco. Drei oder vier Fahrtage und wir würden unsere Schweizer Freunde (www.affenbrunner.ch) und Steven den Australier wiedersehen. Wir planten einige Ruhetage, wollten die Fahrräder putzen und Machu Pichu anschauen.
36km bergauf, eine Steigung von 1500m, führte uns aus Abancay heraus. Auf dem Pass bot sich noch mal der Blick auf die Stadt. Es begann zu hageln und zu regnen, so dass wir schnell, für die ebenfalls 36km lange Abfahrt auf 2680m Höhe nach Curahuazi die Regenkleidung anzogen.
In der Nacht bekam Flo Durchfall. Aber er wollte morgens trotzdem weiterfahren, Cuzco erwartete uns. Hinab flogen wir, die Brücke über den Fluss trug ein Schild 1900m, dann folgte die Strasse dem Fluss bergauf durch ein superheißes Tal. Flo und ich hatten schwer zu kämpfen, ich wie immer mit der Hitze und Flo fühlte sich einfach schwach. Wir mussten eine Pause im Schatten einlegen und ich hielt den nächsten Pick up an. Die netten Leute fuhren uns in die nächste Stadt, wo wir in einem Hostal ein Zimmer nahmen und Flo sich mit hohem Fieber ins Bett legte. Am Abend traf ein österreichisches Paar auf einem Tandem ein. Chan und ich unterhielten uns mit ihnen bis spät in die Nacht. Am Morgen war Flo fieberfrei und wir starteten, nachdem wir uns von den Österreichern verabschiedet hatten, erst um 10 Uhr. Langsam gewannen wir an Höhe, den Pass erreichten wir um 3 Uhr nachmittags. Schneegipfel säumten den Horizont. Hier oben war es herrlich, auch das Klima entsprach mir eher. Trotzdem fühlten Flo und ich uns unwohl. Die Abfahrt war nicht sehr steil und die Strasse blieb auf über 3300m. Kurz vor der Stadt, in der wir die heutige Übernachtung eingeplant hatten, stoppte uns ein großer Graben. Die Strasse wurde erneuert. Die Autos fuhren einen kleinen 4km langen Umweg über Schotter. Während wir da standen und überlegten, was wir tun sollten, kamen einige Straßenarbeiter und zeigten uns eine Strecke über einige kleinere Gräben und die Felder. Sie halfen uns sogar den Trailer und die Räder darüber zu heben. Den weiteren Weg legten wir ungestört zurück, sogar die Regenwolken machen einen Bogen. In dieser Nacht bekamen Flo und ich Halsweh.
Cusco war nur noch 26km entfernt ohne große Steigungen. Gegen Mittag erreichten wir das Hostal und gingen etwas zu Mittag essen. Als wir zurückkamen, hatte Flo wieder hohes Fieber.
Während der nächsten Tage kam und ging das Fieber, also gingen wir zum Arzt, der natürlich gleich Antibiotika gegen eine Luftröhrenentzündung verordnete. Die Schweizer Rahel and Jörg und der Australier Steven blieben noch einen Tag länger, um mir zu helfen. Sie kümmerten sich um Chan, während ich mich um Flo sorgte und mich endlich etwas ausruhte. Kaum dass sie uns verlassen hatten, bekam Chan Fieber. Nach sechs Tagen erholte sich Chan langsam von seiner Grippe oder was das Fieber verursacht hatte, da erwischte es mich und das Fieber fesselte mich eine Woche ans Bett. Das entsprach so gar nicht unserer Vorstellung vom Aufenthalt in Cuzco, der alten Inkastadt. Seit zwei Wochen sind wir hier und haben kaum etwas anderes gesehen als unser Zimmer, das Internetcafe und den Markt, um frische Früchte zu kaufen.
Nun ist der Plan Machu Pichu zu besuchen, nach Cuzco zurückzukommen und die Fahrräder fertigzumachen für die Fahrt durch das Altiplano.

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Ein bisschen Karibik (16. Maerz – 8. April)

Posted by on Jul 02 2007 | Deutsch

Karibische Straende

Florian wollte sich etwas am Strand erholen und Chan ebenso. Einem anderen Schweizer Radlerpaar hatte es in Placencia gut gefallen und deshalb entschieden wir uns, ebenfalls dorthin zu fahren. Etwa 40 km nördlich der abgelegenen Ortschaft fanden wir uns auf einer Schotterpiste wieder, unsere erste längere Offroad Erfahrung. Es erforderte viel Konzentration, nicht in eines der vielen Schlaglöcher zu fahren und auf der Waschbrettpiste die Balance zu halten. Der Tachometer zeigte Schneckentempo an.
Am Strand blieben wir drei Tage, schwammen in türkisblauem Wasser, spazierten unter Palmen am Strand entlang und erholten uns. Chan baute Hotels und Flugzeuge aus Sand. Er litt unter Verstopfung wegen der einseitigen Ernährung, die hier fast nur aus Weißmehlbrot, Reis und Nudeln besteht. In den letzten Tagen hatte er jegliches Obst und Gemüse verweigert, einzig in Form eines eiskalten Smoothies sagten diese ihm zu.
Feucht, Heiß und Schmutzig
“Nein, ich glaube, die Fahrräder passen nicht in das Wassertaxi, wisst ihr, die Boote sind einfach zu klein.” Sagte der Mann am Dock. “Aber wir haben mit anderen Kapitänen gesprochen, die sagten, es wäre kein Problem. Sind sie auch Kapitän?” fragte ich. “Nein, ich arbeite nur hier in dem Laden, ihr müsst halt die Kapitäne fragen, das nächste Boot nach Mango Creek läuft in einer halben Stunde aus.” Dann drehte der Mann sich um und verschwand in einer windschiefen Hütte, seinem Laden. Immer mehr Menschen versammelten sich am Dock und dann kam das Wassertaxi an. Der Kapitän warf einen Blick auf die Bikes und meinte: “Kein Problem, aber nehmt alle Taschen runter.” Dann öffnete er eine Luke und stapelte die ganzen Taschen hinein, anschließend half er uns die Räder und den Anhänger auf das Boot zu heben.
Ein kurzer Ausflug durch die Mangrovenwälder brachte uns auf das Festland von Belize zurück.
Auf Asphalt setzten wir unsere Fahrt nach Punta Gorda, dem südlichsten Zipfel von Belize fort. Immer wieder drehte sich Florian um und musterte besorgt den Himmel. Dicke, schwarze Wolken umringten uns. “Beeil dich, fahr schnell zu”, rief ich. Sein ständiges Umdrehen nervet mich, zumal er dadurch wesentlich langsamer fuhr. Nun hielt er ganz an und meintes: “Schnell wirf die Regenplane über den Hänger! Als ich mich daraufhin umdrehte, sah ich eine weiße Regenwand auf uns zu sausen. Ich konnte gerade noch vom Fahrrad springen, die Plane über den Anhänger werfen, als auch schon die ersten schweren Tropfen auf das Plastik klatschten. Nachdem wir die anderen Taschen auf den Fahrrädern mit Regenüberzügen versehen hatten, waren Flo und ich klatschnass. Trotz der Nässe freuten wir uns über die kleine Abkühlung, die unsere nasse Kleidung brachte. Es war wieder ein mörderisch heißer Tag und kurz nachdem der Regen aufgehört hatte, waren wir bereits wieder trocken. Jedoch durchnässte uns kurz darauf bereits der nächste Schauer, nachdem fünften derartigen Wolkenbruch fanden wir das nicht mehr lustig. Heute hatten wir einen Halt in einem Ort geplant, der in unserer Landkarte als einer der größeren Punkte zu erkennen war. Als wir dort eintrafen, stellte sich heraus, dass die Ortschaft aus nur ein paar Palmwedelhäusern bestand. So fuhren wir halt weiter und entdeckten das Hinweisschild für eine Rangerstation in einem der zahlreichen Nationalparks. Dort hielten wir und fragten, natürlich völlig durchweicht, ob wir die Nacht unter dem auf Stelzen gebauten Haus verbringen könnten. Wir durften und hatten kaum die Fahrräder darruntergeschoben als der Himmel wieder seine Schleusen öffnete. Kurz darauf hing sämtliche Kleidung, das nasse Zelt und die nassen Regenüberzüge zum Trocknen unter dem Haus. Wir waren echt froh, so einen schönen, trockenen Platz für die Nacht gefunden zu haben.
Der nächste Morgen begrüßte uns wieder mit Regen. Wir warteten eine Weile, mussten aber die Hoffnung, dass es bald aufhören würde aufgeben und traten, verpackt in Regenkleidung wieder in die Pedale. Nach nur 3 km änderte sich der Straßenbelag in Schotter. Es ist nur für 9 Meilen, dann ist alles wieder Asphalt, wurde uns gesagt. Langsam fuhren wir weiter, aber es gab wenig Verkehr und die Strasse war nicht so schlecht, wie die nach Placencia. In einer Kurve, am Fuß eines Hügels stak ein Bus fest. Die Passagiere waren ausgestiegen und standen herum, der Busfahrer lachte uns an. Die 9 Meilen (15km) kamen uns wie 20 vor, aber auch das hatten wir bald geschafft, natürlich bekamen wir noch ein paar kräftige Regenduschen verpasst. Der Rest war wirklich asphaltiert und leichtes Vorankommen schien uns sicher. Aber jetzt, wo der Regen endgültig aufgehört hatte schien die Sonne mit der ganzen Kraft der Tropen. Bald schon war unsere Kraft und auch unser Wasservorrat am Ende. Als wir endlich in Punta Gorda ankamen waren wir völlig fertig. Bevor wir auf Hotelsuche gehen konnten besorgte ich uns erst mal eine eiskalte “Notfall-Limonade”. Das zweite Hotel war okay und wir wollten schnellstmöglich unter die Dusche hüpfen. Tja, aber zunächst musste das Hotelzimmer erst mal gereinigt werden, das bedeutete, wir standen mit all unserm Gepäck eine halbe Stunde vor der Zimmertür und warteten. Nachdem wir geduscht hatten, durchstreiften wir die Stadt und suchten Informationen über das Boot, was nach Livingstone, Guatemala fährt.
Die Überfahrt
“Flo, das Boot ist ziemlich klein und schau nur wie es auf den großen Wellen hüpft. Wie soll das den Hänger transportieren? “, Sagte ich. “Ach, keine Panik, die machen das doch jeden Tag!”, antwortete Flo. Aber ich machte mir echt Sorgen. Die Wellen waren wirklich ziemlich hoch und ich hatte mir ein größeres Boot für die Fahrt über das offene Wasser nach Guatemala vorgestellt.
Dann wurden die Fahrräder, die Taschen und letztendlich auch der Anhänger verladen. Ich konnte gar nicht zusehen, wie sie den Hänger von dem hohen Dock auf das tanzende und hüpfende Miniboot verluden. Aber sie schafften es tatsächlich. Währen der Verladung unserer Sachen, waren die anderen Leute schon eingestiegen und hatten sich Sitzplätze gesucht, so dass am Ende nur die kleine Bank ganz vorne im Bug des Schiffes für uns übriglieb. Als alle saßen, legte das Boot ab. Der Kapitän gab den Passagieren auf Flos Seite eine schwarze Plastikplane. Diese sollte hochgehalten werden, um die Leute vor Spritzwasser zu schützen. Guter Witz, nach drei Minuten auf See waren wir völlig durchnässt, ganz besonders ich auf der ersten Bank, ohne den Schutz der Plane. Chan hatte Angst und ich ebenso. Eine Reihe hinter uns murmelte eine Frau unentwegt Gebete.  Ich hätte am liebsten laut geschrieen und diese Höllenfahrt gestoppt. Jedes Wellental schleuderte uns zurück auf die harte Sitzbank. Mein Rücken tat weh und ich konnte meine Finger nicht bewegen, so fest hielt ich sie um eine Stange gekrampft. Chan hielt meine andere Hand und seinen Kopf hatte er in Florians Achsel vergraben. Flo blieb entsprechend seiner Natur in solchen Situationen gelassen. Er hielt den Anhänger fest, der uns bei jeder Welle rammte. Plötzlich stoppte die Maschine und das Boot schaukelte auf den Wellen. Es herrschte völlige Stille, sogar die Frau hatte aufgehört zu beten. Der eine Seemann warf dem Kapitän einen fragenden Blick zu. Dieser fummelte mit irgendwelchen Flaschen und am Motor herum. Nach ein paar Sekunden der Furcht, begann dieser wieder zu arbeiten. Zwei Stunden lang wurden wir jede Minute geduscht und alle zwei Sekunden auf die Bank geschleudert. Zwei Stunden lang versuchte ich zumindest im Geiste, diesem Alptraum zu entkommen. Leise sang ich Kinderlieder vor mich hin, sprach in Gedanken zu meinem Vater und zu Freunden, erinnerte mich ihrer beruhigenden Worte. Was für eine Erleichterung, als ich endlich Land erblickte. Zumindest können wir  jetzt an Land schwimmen, dachte ich. Aber wir erreichten Livingstone und niemand war über Bord gegangen, auch unser Gepäck war vollständig vorhanden.

Auf dem Dock beluden wir die Fahrräder nicht gleich, sondern Chan und ich bewachten unsere Sachen, während Flo zur Einwanderungsbehörde ging. Dann organisierten wir eine weitere Bootsfahrt auf dem Rio Dulce, jawohl eine weiter Bootsfahrt. Chan war immer noch dafür, als wir ihn fragten und erklärten, dass es auf dem Fluss keine Wellen geben würde. Nach einer Pause und einem Picknick luden wir unser ganzen Zeug auf ein weiteres Boot.
Für diese Überfahrt hatten wir ein Boot für uns allein gemietet. Das öffentliche Fährboot legte erst am Nachmittag ab und es war nicht möglich einen Platz zu reservieren. So war es zwar etwas teurer aber dafür mussten wir nicht stundenlang in er Sonne sitzen und warten. Wir waren voller Vorfreude auf Casa Perico, ein Jungelhotel direkt am Fluss, dessen Besitzer drei Schweizer sind. Es wurde uns berichtet, dass es ein schöner, friedlicher Platz zum Ausruhen wäre.
Und genau das taten wir, neben den üblichen Wartungs- und Reinigungsarbeiten. Der Anhänger war von der Überfahrt etwas verformt, wie sich bei der Inspektion herausstellte. Nebenbei fuhren wir Kanu und lasen Bücher in der Hängematte.

Folgen der Überfahrt
Am zweiten Tag in Guatemala bekam Flo Durchfall, am nächsten Tag war ich dran. Guatemala schien uns um einige Grad heißer als Belize. Wir fuhren nur am Morgen von 7-11 Uhr, es folgten ausgedehnte Ruhepausen im Schatten und den Nachmittag verbrachten wir meist schlafend unterm Ventilator im Hotelzimmer. Erst am Abend standen wir auf, um uns etwas zu Essen zu kochen.
Es war die semana santa (Osterwoche) und die meisten Geschäfte waren geschlossen. Wir benötigten wenigstens Bananen um den Durchfall zu stoppen, aber alles was wir erstanden war pappiges Weißbrot. Momentan hatten wir sehr wenig Lebensmittel bei uns, wegen der hohen Temperaturen war es kaum möglich Früchte und Gemüse mitzuführen. Die meisten der kleinen Restaurants hatten nur Fleischgerichte auf ihren Karten, so lebten wir fast ausschließlich von Crackern und Weißbrot, lediglich an den Straßenständen konnten wir Mangos und Kokosnüssen kaufen. Am Abend kochten wir die Letzten Nudelreste mit Tomatenpaste oder Reis mit Brühe. Es dauerte fünf Tage, bis sich unser Verdauungssystem wieder beruhigt hatte.  Inzwischen waren wir bereits hinter dem Rio Hondo und hatten ein Dinosauriermuseum in Estanzuela besucht. Dort gab es zwei Dinosaurierskelette und ein Grauwalskelett zu sehen. “Mama, schau mal, diese Knochen sind gar nicht friedlich!” erklärte Chan. Ich sagte; “Ja, die sehen etwas gruselig aus, aber weist du, die leben nicht mehr. Sie brauchen einen Körper, um zu leben. Unter deiner Haut hast du auch Knochen und ein Skelett. Guck, das sind die Beine vom Dinosaurier, kannst du deine Beine fühlen? Da ist etwas hartes unter der Haut, richtig? Das sind die Knochen.” In dieser Art unterhielten wir uns über sämtliche verschiedene Knochen, die wir am Dinosaurierskelett sahen und versuchten die dazugehörigen an unserem Körper zu finden. Eine ganze Stunde bleiben wir in dem kleinen Museum.
Von Chiquimuls führte die Strasse in die Berge, einige Kilometer lang gab es Steigungen von mindestens 15% bis 20%!
An unserem letzten Morgen in Guatemala waren wir früh um 7 zur Abfahrt bereit, aber irgendetwas stimmte nicht mit Flos Bike. Die Uebersetzung war viel zu nah an den Speichen. Irgendwie war der Rahmen, wo sie befestigt ist verbogen. Es brauchte eine ganze Weile, bis wir das herausgefunden hatten. Dieser Schaden musste ebenfalls während der Überfahrt passiert sein. Wir konnten nur nicht verstehen, warum wir das nicht eher bemerkt hatten. Nachdem wir eine Stunde herumgebastelt hatten, meinte Flo, wir könnten es versuchen, zu fahren. Wir fuhren durch traumhafte Täler, die Hügel waren mit Kiefern bedeckt, die auf roter Erde wuchsen. Aber die Strasse führte fast nur bergauf in Richtung  Honduras.

Auf einem der Hügel machte Flos Bike plötzlich klack, klack, klack. Dann konnte er es nicht mehr bewegen. Er fing an zu fluchen und als wir einen Blick auf sein Hinterrad warfen, sahen wir das die Uebersetzung total verbogen in den Speichen steckte. Flo nahm die Kette ab und entfernte die Uebersetzung aus den Speichen, dann schob er sein Fahrrad bergan und parkte es neben meinem. Wir holten Chan aus dem Anhänger, der sich sofort daran machte, das Gras mit einem Stock zu mähen. Dann nahmen wir das Gepäck von Flos Rad und er baute das Hinterrad aus. Das Teil, mit dem die Uebersetzung  mit dem Rahmen verbunden war, war total verbogen. Neben uns hielt ein Moped und ein freundlicher Guatemalteke fragte, ob wir Hilfe bräuchten. Einen Kilometer weiter bergauf gäbe es einen Mechaniker, meinte er.  Einige hundert Meter weiter waren Straßenarbeiter zu gang, Flo fragte, ob sie ihm einen Hammer borgen könnten. Zwei von ihnen kamen gleich mit, um sich das Fahrrad anzusehen. Die drei hämmerten auf Flos Bike ein und schafften es den Rahmen soweit zurechtzubiegen, dass die Uebersetzung wieder arbeiten konnte. Nun konnte Flo sein Rad zwar wieder fahren, aber er konnte nicht in die untersten Gänge schalten. Bei diesem Gelände bedeutete das, dass ich den Anhänger ziehen musste.
Ich schaffte es gerade bis nach El Florido, 3km weiter an der honduranischen Grenze, aber nur weil Flo mir half, das Rad bergauf zu schieben. Dort machten wir Mittagspause, wechselten unser Geld und verhandelten mit der Einwanderungsbehörde, bevor wir die letzten 12km zu den Ruinen von Copan zurücklegten.
Gleich nach der Grenze ging es wieder bergauf. Nach nur einem Kilometer kamen mir die Tränen. Ich schaffte es einfach nicht. Meine Beine taten so weh, ich hatte einfach nicht die Kraft, den schweren Hänger zu ziehen. Ich weiss nicht, wie Flo das schafft, bei ihm sieht das so leicht aus, aber es ist so schwer. Also wartete ich und Flo fuhr ein Stück bergauf, rannte zurück und half mir das Rad samt Hänger hochzuschieben. Stück für Stück kamen wir voran. Einmal lief Chan nebenher und sagte: “Mama, komm ich helfe dir schieben!” Es war zum Glück der letzte Berg, nun ging es kurvenreich bergab zu den Ruinen von Copan, wo wir gerade sind und Spanischunterricht nehmen.

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Hinauf, hinauf und weiter hinauf fahren wir! (18. Jan. – 14. Feb.)

Posted by on Apr 18 2007 | Deutsch

Mutter Theresas Schwester

Nur ein einziges mal haben wir uns auf dem Weg hinaus aus Guadalajara verfahren. Sobald wir die Schnellstrasse erreicht hatten, war alles okay. Der Verkehr war Wahnsinn und die Luft geschwängert von Abgasen. Das Atmen tat in Nase und Kehle weh, die Augen brannten und wegen des Lärms konnten wir uns nicht mal unterhalten. Endlich nach etwa 40 km konnten wir wieder durchatmen. Als wir zurückblickten, sahen wir eine braune Smogglocke über der Stadt.

Francesca, eine über siebzig Jahre alte kosmopolitische Frau erzählte uns, dass man vor 4o Jahren noch die Berge rings um die damals noch Kleinstadt Guadalajara sehen konnte. Francesca wurde in Indonesien geboren und wuchs in den Niederlanden und in der Schweiz auf. Sie lebte unter anderem in Mexiko und den USA. Momentan lebt sie drei Monate im Jahr in Guadalajara und arbeitet hier mit den Straßenkindern. Danach verbringt sie drei Monate in der Nähe von San Francisco, um zu meditieren und neue Energie zu tanken, um erneut drei Monate mit den Straßenkindern zu arbeiten. Die restlichen drei Monate des Jahres verbringt sie immer in der Schweiz. Diese charismatische alte Lady hat einst gemeinsam mit Mutter Theresa gearbeitet und führt diese Arbeit jetzt auf ihre eigene Art fort. Sie hat “ihre” Kinder, denen sie versucht lesen und schreiben beizubringen, so dass sie in der Schule Anschluss finden. Manche, so sagt sie, brauchen einfach nur etwas Aufmerksamkeit, ihnen etwas beizubringen, ist nicht mehr möglich. Sie können sich nicht mehr konzentrieren, in ihrem kurzen Leben haben sie zuviel Missbrauch erlebt. Also hört Francesca ihnen zu, kämmt ihnen die Haare, badet sie und ist einfach da für diese Kinder. Kinder, die auf der Strasse ausgesetzt werden, weil ihre Familien kein Geld für ein weiteres Kind haben. Manche werden geraubt und zur Prostitution gezwungen und später ausgesetzt. Manche sind Waisenkinder, für die keiner verantwortlich sein will.

Wir bekommen viele Geschenke

Ein Freund hatte uns die Adresse eines kanadischen Ehepaares gegeben, Rhoda und Jim, die in Ajicic am Chapalasee leben. Bei ihnen konnten wir zwei Tage bleiben. Rhoda kochte zwei leckere Abendessen für uns. Nach wochenlang gekochtem Gemüse, aßen wir endlich mal wieder frischen Salat. Für Chan hatte Rhoda, die selbst Oma ist, besondere Leckereien parat und Seifenblasen in einer Flasche, die wie ein Frosch geformt ist. Diese liebt er ganz besonders. Die Gegend um Chapala ist dafür bekannt, dass sie das Territorium der US- Amerikaner ist. Tatsächlich hatte es den Anschein, als ob in der Stadt mehr Gringos als Mexikaner anzutreffen sind. Jim empfahl uns die Strecke um den See herum wegen der schönen Aussicht und des geringeren Verkehrs. Für uns bedeutete das, das wir zunächst einen halben Tag westwärts, anstatt in Richtung Osten fuhren. Und es gab einen über 10km langen FAHRRADWEG!!

Die südliche Seeseite war absolut untouristisch. Entlang der Küste schlängelten sich kleine Bauern und Fischerdörfer. Die ersten Felder, an denen wir vorbeifuhren waren Himbeerfelder, die Sträucher hingen voller Beeren und das mitten im Winter. Es folgten Zwiebel-, Mais-, Kürbis- und Jalapeñofelder. Das Wasser für die Felder kommt vom See, der auch als Reservoir für Guadalajara und die anderen Gemeinden rund um den See dient. Die Fahrtroute war hügelig, aber leicht zu bewältigen, am späten Abend suchten wir nach einer Zeltmöglichkeit. In einer kleinen Stadt wurde uns empfohlen, direkt auf der Plaza die Nacht zu verbringen. Irgendwie fühlten wir uns dort etwas ausgestellt, und so fragten wir eine Mutter, die vorbeikam, ob sie nicht einen besseren Platz wüsste. Unterdessen begann Chan mit ihren Kindern zu spielen. Die Frau meinte, wir könnten in ihres Schwagers Haus übernachten, der zur Zeit in den USA weilt. Allerdings wollte sie zuvor seine Verwandten um Erlaubnis fragen. Sie schickte ihren Ehemann los, seinen Vater zu fragen und wir unterhielten uns unterdessen. Später brachte sie uns Suppe und Tortillas. Wir warteten auf die Rückkehr ihres Mannes, inzwischen war die Dunkelheit längst hereingebrochen. Es wurde langsam spät, Chan war hungrig und müde. Also kochten wir Abendbrot, die Frau versicherte uns, ihr Mann würde innerhalb einer Stunde zurückkommen. Gegen 22 Uhr war unsere Geduld erschöpft. Endlich führte sie uns zu dem Haus. Wir freuten uns, endlich auszupacken. Als das Zelt stand, tauchte der Mann und sein Vater auf, um die Haustür aufzusperren. Sie empfahlen uns wegen der Skorpione im Haus zuschlafen. Also, bereiteten Chan und ich unser Schlaflager im Haus, während der arme Flo das Zelt wieder einpacken durfte. Am Morgen brachte uns die Frau noch Tortillas und Rührei.

Bisher war die Route um den See ziemlich flach verlaufen, aber nun bog sie vom Ufer ab und führte etwa 5 km bergan in die Hügel. Wir benötigten eine Stunde. Der Weg wieder bergab war 10 km lang, dafür benötigten wir 10 Minuten! In dieser Nacht schlugen wir unser Zelt auf dem eingezäunten Parkplatz eines Familienrestaurants auf. Wieder mal hatte Chan einen Spielkameraden in seinem Alter und wir bekamen köstliches süßes Brot als Dessert. Als Gegenleistung reparierten wir das Fahrrad der Tochter, mit dem sie immer zur Schule fährt. Flo und ich erwachten von dem Geräusch der Regentropfen, die auf die Zeltplane platschten. Wir schliefen wieder ein, aber jedes Mal, wenn wir aufwachten, war das Geräusch noch da. Also, mussten wir aufstehen und unser Gepäck umpacken. Unsere Regenkleidung hatten wir auf dieser Reise bisher noch nicht gebraucht. Chan war der einzige, der sich über den Regen freute. Eingepackt in Regenhosen, Stiefel und Regenjacke lies er sein hölzernes Segelboot voller Freude in den Pfützen schwimmen. Es brauchte eine ganze Weile, bis wir alles regendicht verstaut hatten. Zum Abschied kam die Restaurantbesitzerin und brachte uns heißen Zitronentee und Granola Riegel für Chan.

Es regnete den ganzen Tag, am frühen Nachmittag waren Flo und ich völlig durchweicht, so schwitzten wir unter der Regenkleidung. Chan saß sicher und warm in seinem wetterfesten Anhänger. Wir mussten uns entscheiden, ob wir in der nächsten größeren Stadt bleiben wollten oder auf die Schnellstrasse fahren, um noch ein paar Kilometer mehr zurückzulegen. Wir entschieden uns für die erste Möglichkeit und suchten nach einem Hotel. Das erste was wir fanden, sah ziemlich nobel aus, Flo fragte trotzdem nach dem Preis. Wir bezahlten 28$ pro Nacht, in einem Hotel, das aussah, als hätte es mindestens vier Sterne. Unser Zimmer war riesig, mit Fernseher und einer großen Badewanne. Wir drehten den Wasserhahn auf, um die Wanne vollzulassen, aber es kam kein Wasser raus. Das Wasser war abgedreht, weil an einer Seite des Hotels angebaut wurde. Am Abend gab es dann wieder heißes Wasser und wir nahmen eine ausgiebige Dusche, Chan spielte mit seinen Eimerchen in der Wanne.

Am Morgen war alles wieder trocken und wir fuhren auf dem guten Seitenstreifen der Schnellstrasse weiter, nur noch ein paar Pfützen waren auf den Strassen. Unser Ziel war das Hochplateau von Michoacan, der Weg dorthin führte fast nur bergauf. Am Mauthäuschen legten wir eine Mittagspause ein und jemand gab uns eine Süßigkeit aus Guaven und einen Kokoskuchen. Ein Rotkreuz Mitarbeiter gab uns zwei Flaschen Energiedrinks. Die Nacht verbrachten wir unter dem Dach einer im Bau befindlichen Tequilladestillerie. Für diese Unterkunft waren wir sehr dankbar, denn kaum, dass wir die Fahrräder darunter geschoben hatten, begann es wieder zu regnen. Es regnete wieder die ganze Nacht, hörte aber glücklicherweise kurz bevor wir weiterfuhren auf. An diesem Tag hatten wir zum ersten Mal auf dieser Reise eine Steigung auf 2000m Höhe zu bewältigen, und das gleich zweimal. Die Energydrinks kamen uns nun zugute, immer wieder mussten wir kurze Verschnaufpausen einlegen, um uns zu erholen. Kurz bevor die nächste Regenfront kam, erreichten wir eine weitere Mautstation und fanden dort eine Unterstellmöglichkeit. Florian fuhr in das nahe Dorf, um Lebensmittel und Wasser zu kaufen, während Chan im Gras hinter dem Mauthäuschen spielte und ich schrieb. Zurück kam Flo mit einem 20 Liter Kanister Trinkwasser, sonst hätte er zehn 1 Liter Flaschen zum dreifachen Preis kaufen müssen. Gerade als alles für die Nacht verstaut war, begann es wieder zu regnen… Früh kamen die Angestellten der Cafeteria, die zur Mautstation gehört und brachten uns Saft für Chan und Schokokekse für uns. Die ersten 10 Kilometer führten erneut bergauf, und nach einer kurzen Bergabfahrt von nur 5 Kilometern wieder bergauf. Oben bot sich der Blick in eine große Senke, mit einem See in der Mitte. Es sah so aus, als wären die letzen 20 Kilometer ein Leichtes. Aber nach nur 5 Kilometern bergab, ging es wieder bergauf, und zwar viel steiler als wir es dem Landschaftsbild nach glauben konnten. Mir kam der Gedanke, das es ein Fehler sei in Richtung Mexikos höchster Berge zu radeln. Wann haben wir uns bloß für diese Route entschieden? Egal, wir erreichten ein kleines Dorf, das auf halben Weg am See lag und fragten nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Man schickte uns zu den heißen Quellen. Es war ein Schwimmbad und wir waren ziemlich frustriert als wir herausfanden, dass wir dort für das Camping bezahlen mussten. Der Angestellte erklärte uns, es kostet 25 Pesos pro Tag für Erwachsene und 15 Pesos für Kinder, die Nacht kostet noch mal 30 Pesos pro Person. Wir versuchten ihm zu erklären, dass wir nur einen Platz für die Nacht brauchten und gar nicht baden gehen wollten. Was, müssen wir bezahlen, wenn wir jetzt um 17 Uhr unser Zelt aufbauen? Seine Antwort war, dass wir vor 19 Uhr beide Gebühren, die für den Tag und für die Nacht bezahlen müssten und wenn wir nicht vor 7 Uhr früh den Platz wieder verlassen würden, käme auch noch die Gebühr für den nächsten Tag dazu. So was nach einem anstrengenden Tag auf dem Rad, ich war echt sauer. Flo hatte etwas mehr Geduld, trotzdem beendeten wir die Diskussion und begannen direkt neben dem Eingang zum Pool unser Abendbrot zuzubereiten. Kurz nach 6 Uhr ging Flo noch mal zu dem Angestellten und diesmal lies er uns für eine Gesamtgebühr von 80 Pesos (5,50 Euro) rein. Nicht gerade billig, aber eine relativ normale Campinggebühr. Die einzige Bedingung war, dass wir vor 9 Uhr früh wieder weg sein mussten.

Das Leben an einer caseta (Mautstation)

Manchmal kamen wir recht zeitig an einer Caseta an und entschlossen uns dennoch zu bleiben, entweder weil es auf der weiteren Strecke keine Übernachtungsmöglichkeiten gab oder weil wir einfach erschöpft und müde vom vielen bergauf fahren waren. Casetas sind der ideale Platz um den extremen Unterschied zwischen Mexikos reicher und armer Bevölkerung zu beobachten. Die Reichen könnten von jedem beliebigen Platz der Industriestaaten stammen, sie würden nirgends auffallen, wenn sie in ihren sauberen, glänzenden Autos vorfahren. Sie machen ein Päuschen, rauchen eine Zigarette, trinken einen Kaffe oder essen eine Kleinigkeit und brausen wieder davon. Die Lkw Fahrer halten um zu schlafen oder zu essen und fahren ebenfalls weiter. All diese Menschen werden sehnsüchtig von ganzen Familien aus den umliegenden Dörfern erwartet. Diese Familien sind ausgerüstet mit einem Fensterkratzer und einer Flasche Seifenwasser. Für einige Pesos reinigen sie die Windschutzscheiben und Scheinwerfer der parkenden Autos. Die Jüngsten sind vielleicht gerade 5 Jahre alt. Manchmal wacht ein Opa über seine Enkel und erteilt ihnen Aufgaben. Andere Familien bauen kleine Imbissbuden auf, aus Pappe und allem Material, was sie irgendwo finden können. Dort bieten sie ihr hausgemachtes Essen an: Maiskolben mit saurer Sahne und Gewürzen, Tacos, Suppen, usw. Andere wiederum, die etwas besser gestellt sind, kommen mit dem eigenen Auto an und verkaufen Honig, Süßigkeiten, Brot oder Kunstgewerbe. Der Strom der vorbeifahrenden Autos nimmt mit der Dunkelheit ab, aber jetzt kommt die Zeit der Trucks. Die lauten Maschinen dröhnen durch die Nacht, nur gegen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang herrscht Ruhe. Casetas sind sicher nicht mein Lieblingsplatz, um die Nacht zu verbringen, aber sie scheinen uns sicher, da 24h lang Menschen da sind und es gibt immer Wasser und Snacks zu kaufen. Außerdem ist es immer interessant, die Menschen zu beobachten.

Umgeben von Mexikos höchsten Bergen

Toluca war unser nächster Halt. Glücklicherweise fanden wir ein billiges Hotel, dort blieben wir drei Nächte. Wir benötigten etwas Ruhe, bevor wir uns auf Nebenstrassen in die 3000-4000 Meter hohen Berge wagten. So nah an der Hauptstadt (nur ca. 50 km entfernt), wollten wir die Hauptstrassen meiden. Es gab so viel Verkehr und die Städte hatten keinen Anfang und kein Ende, es schien, als ob es eine einzige riesige Stadt wäre, mit stark und weniger dicht besiedelten Gebieten. Weiter fuhren wir bergan, weg vom Lärm und Gestank in die frische Luft hinauf. Die Aufstieg war harmlos, so dass wir relativ früh unser Tagesziel erreichten, wieder mal verbrachten wir die Nacht auf einer Baustelle am Ende eines Dorfes.  Es war eine schöne Fahrt, durch das was wie eine Hügellandschaft aussah, in Wirklichkeit waren es Gipfel von über 3000m Höhe. Die Dörfer hier waren eher ursprünglich und es gab weniger Autos und Traktoren, stattdessen Pferde und Handwägen. Ein kleines Dorf stach uns besonders ins Auge: die wenigen Häuser, besser gesagt Hütten, waren aus Stoffen, Folie, einigen Holzstücken und Steinen zusammengezimmert. Eine große Meute abgemagerter Hunde rannte vor uns davon. Acht, neun oder waren es gar zehn in Lumpen gehüllte Kinder beobachteten uns durch eine Zaunlücke.

Das Hochplateau, das wir in den letzen Tagen erklommen hatten endete abrupt. Unser Blick wanderte hinab über steile Felsterrassen, auf denen kleine Felder angelegt waren, hin zu den Bergketten am Horizont. Irgendwo hinter diesen Bergen muss der Pazifik liegen… Obwohl es mehr bergab als bergauf ging war der Tag anstrengend. Wir folgten dem Rand des Hochplateaus hinab nach Cuernavaca. Fingergleich schoben sich Hügelketten in das Flachland. Jede Bergabfahrt wurde gefolgt von einem steilen Aufstieg. Entsprechen erschöpft machten wir eher Mittagspause als geplant, anschließend hielten wir fast bis ins Stadtzentrum von Guernavaca die Bremshebel fest umklammert. Auf der üblichen Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit fuhren wir durch die Stadt. Später schlenderten wir über die Plaza auf der Suche nach Essen. Es war Feiertag in Mexiko und in den Strassen herrschte dichtes Menschengedränge, überall waren Stände mit Essen, Kunsthandwerk, Schnitzerein oder Kinderspielzeug. Es war eine ziemliche Herauforderung, mit einem kleinen Kind an all diesen Verlockungen entlang zu spazieren. Während wir uns eine Tasse Kaffe genehmigten, hörten wir den Straßenmusikern zu und genossen ein Klassikkonzert im Cazebocenter.

In den Klauen von Popocatepetl

Aus der Stadt herauszufahren war wie immer sehr stressig, nicht nur mental, sondern auch für Augen, Nase und die Lungen. Wir mussten uns entscheiden, ob wir die Schnellstrasse durch weniger bergiges Gelände Richtung Puebla nehmen oder die Landstasse, nahe am Vulkan Popocatepetl (5465m) entlang. Da wir genug von den Bergen hatten, nahmen wir die Schnellstrasse. So schnell als möglich wollten wir alle Drei den Golf von Mexiko erreichen, besonders Chan freute sich schon auf das Meer. Auf dieser Strasse war der Seitenstreifen aus rotem Schotter und gerade mal so breit wie der Anhänger. Zudem hatten wir zwei Platten am Anhänger, die zu flicken ziemlich gefährlich war, da wir kaum Platz hatten. Ein Lkw schoss vorbei, nur wenige Zentimeter vom Anhänger. Ich hatte genug und sagte Flo, dass wir dann doch lieber die Strecke Richtung Vulkan nehmen, was für eine Wahl hatten wir sonst? Den nächsten Tag hatte ich Krämpfe, nach nur 20 km konnte ich nicht mehr weiter und so blieben wir auf dem teuersten Campingplatz der bisherigen Reise. Wenigstens wurden wir mit der Aussicht auf den schneebedeckten Popocatepetl entschädigt. Chan hatte eine Schaukel und einen Swimmingpool zum Spielen. Der Campingplatzbesitzer gab uns eine Tüte voll Orangen und Avocados.

Den nächsten Tag ging es mir viel besser, das war auch gut so, denn die Strasse führte nach 200 Metern steil bergauf. Nach nur 7 km machten wir gleich im nächsten Dorf eine Pause. Dort riet man uns, die rechte Strasse zu nehmen und wir flogen geradezu ins Tal. Flo war das nicht geheuer und wir fragten noch jemand anderen nach der Richtung. Eine gute Sache in Mexiko, zehn verschiede Menschen geben einem zehn verschiedene Wegbeschreibungen zu einem und demselben Ort. Nur, wenn man eine Beschreibung mindestens zweimal bekommt, kann man davon ausgehen, dass sie in etwa stimmt. Natürlich mussten wir auch in diesem Fall zurück (bergauf) und einem anderen Tal folgen. Auch diese Strecke führte bald bergab und auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht konnten wir die Strasse sehen, wie sie sich wieder bergauf wand.

Unsere Stimmung war ziemlich gedrückt. Wir brauchten den ganzen Tag, um gerade mal 20 km zurückzulegen, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 7km/h. Auch die letzten Meter ging es steil bergauf. Erschöpft fragten wir an einer Tischlerei, die uns empfohlen worden war, ob wir hier übernachten dürften. Zuerst sagten die Arbeiter, dass wir die nächste Stadt in einer guten Stunde erreichen könnten, da die Strecke von nun an recht flach wäre und bald alles asphaltiert wäre. Was bald alles, d.h. Teile der Strasse sind nicht asphaltiert? Eine Sorge mehr für den nächsten Tag. Ich erklärte ihnen, dass wir den ganzen Tag für die Strecke vom vorletzten Dorf bis hierher gebraucht hatten. Mit offenen Mündern hörten sie zu und konnten nicht glauben, was wir erzählten. Mit dem Auto war es doch weniger als eine Stunde. Wir konnten bleiben und Chan hatte seine helle Freude beim Spielen im Sägemehl. Wir bauten eine Rutsche für ein paar Holzrollen, die er gefunden hatte und schauten, wie weit die jedes Mal rollten.

Schnell war der nächste Morgen angebrochen und die Strasse führte weiterhin steil bergauf, so steil dass wir stellenweise die Räder schieben mussten. Und wie gewarnt, endete bald der Asphalt und statt dessen war die Strasse nun mit Flusssteinen gepflastert. Sogar auf leicht abschüssigen Abschnitten konnten wir uns nicht schneller als mit Schrittgeschwindigkeit vorwärtsbewegen. Natürlich ging es die meiste Zeit bergauf, oft musste ich mein Fahrrad abstellen und Flo helfen, den Trailer zu schieben. Allein die Sicht war fantastisch und der Mühen wert, ebenso die Menschen die wir sahen. Manche zu Pferd, andere wiederum zu Fuß, beladen mit schweren Bündeln, einige hatten Ochsen oder Zugpferde für ihre Lasten. Im nächsten Dorf erfuhren wir, dass die Strasse ab jetzt durchgängig asphaltiert sei. Zwei Kilometer lang brausten wir auf neuem Asphalt ins Tal, als dieser plötzlich endete und der Straßenbelag aus grobem Schotter bestand. Florian, der Arme, hatte es doppelt schwer, da er den Anhänger zog. Chan tat uns ebenfalls leid, er wurde in seinem Anhänger mächtig durchgeschüttelt. Aber wir mussten weiter. Bald wurde aus der Schotterstrasse ein Feldweg und ich musste Flo immer wieder schieben helfen. Erstaunlich viele Leute waren auf der Strasse unterwegs und immer wieder wurden wir gefragt: ” Das ist anstrengend, nicht war!?” Meist lächelten wir zurück: “Si, si!” Wahrscheinlich hielten sie uns für komplett verrückt. Viele wollten uns zurück auf die Schnellstrasse schicken, von der wir kamen, aber nun, wo wir es schon so weit geschafft hatten, gab es für uns kein zurück mehr.

Ab der nächsten Ortschaft, war die Strasse endlich wieder asphaltiert. Es gab nur eine Fahrspur, aber es ging bergab! Juhuuuu! Doch die Freude war nicht von langer Dauer, zwar war die Strasse weiterhin asphaltiert, aber sie führte wieder bergauf, entlang eines weiteren Canons. Wir freuten uns schon auf unsere Mittagspause im nächsten Ort, doch am Ortseingang erwartetet uns eine neue Überraschung, die Durchgangsstrasse wurde gerade gebaut, die Umleitung war nur grob gepflastert. Es ging bergab und wieder bergauf, immer schön im Wechsel. Flo war stinksauer und raste in vollem Tempo über das Pflaster, der Trailer tanzte und hüpfte wie wild hinterher. Ich folgte im etwas vorsichtiger, denn an meinem Rad hatte sich bereits ein Lowrider (Halterung fuer die Taschen am Vorderrad) durch das Gerüttel gelockert. Nach einer Weile hielt Flo an, sein Gesicht war blass vor lauter Ärger. Vor uns ging es die steilste Kehre hinauf, die wir je gesehen hatten. Flo sagte Chan, er solle aus dem Anhänger klettern, aber auch Chan hatte die Nase voll und begann zu weinen. Flo nahm mein Rad und schob es hinauf. Ich versuchte Chan zu beruhigen und erklärte ihm, was los ist. Anschließend schoben Flo und ich sein Fahrrad mit dem Hänger hinauf. Chan lief neben uns, müde und verunsichert heulte er lauthals. Auf dem Gipfel angekommen war der Straßenbelag nicht mehr felsig, sondern glatt, fast wie Asphalt. Flo musste sich erst mal wieder erholen, ich kümmerte mich um Chan und wir alle hatten Hunger. Als wir uns alle beruhigt hatten, fuhren wir die letzten Meter zur Plaza hinab und kauften etwas zum Mittagessen. Nach einer ausgedehnten Pause fuhren wir die letzte Etappe des Tages, 15 km in weniger als einer Stunde. Es ging bergab und es war asphaltiert, obwohl es viele Schlaglöcher gab. Aber all das war nichts, gegen die vergangenen zwei Tage. In Atlixco suchten wir uns ein Hotel und pausierten einen Tag.

Gebeamt

Die Strecke bis zum Golf von Mexiko verlief unspektakulär. Wir fuhren 270km in drei Tagen und fühlten uns, als hätte man uns in die Tropen gebeamt. Die eine Nacht noch einpackt in Jacke und Hut, umgeben von 5000m hohen Vulkanen, die nächste schwitzend im Zelt, wo sogar die Zudecke überflüssig war.

Von Puebla an ging es fast nur bergab. Wir fuhren die Schnellstrasse, gut ausgebaut mit ebenfalls gutem Seitenstreifen. Tausende Fahrradfahrer und einige Läufer kamen uns entgegen, gefolgt von Servicefahrzeugen. Sie waren auf Pilgerfahrt zur Jungfrau von Guadeloupe nach Mexiko City.

Wir verbrachten eine laute Nacht im Scheinwerferlicht eines Geschäftes, da der Manager der Mautstation dies als sichersten Platz für uns auserkoren hatte. Steil bergab sausten wir, huiiii durch vier Tunnel hindurch und vorbei an drei Lkws, huii bergab, bergab. Die Luft wurde dicker und schwerer, es war feucht und heiß. Das Gezwitscher der Vögel klang anders, wie aus dem Dschungel und wie Dschungel sah auch die Vegetation um uns aus.

Nun sind wir in Veracruz. Es war schwer ein Hotel zu finden, denn es ist Fasching! Wir werden noch eine weitere Nacht bleiben. Chan spielt gerade vergnügt am Strand mit Flo. Was wir dringend brauchen, ist ein guter Bikeshop. Flo’s Kette ist auf den letzen Metern in die Stadt hinein gerissen.

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Erneuter Strandurlaub

Posted by on Mar 05 2007 | Deutsch

Wieder Strandurlaub
Die Fährüberfahrt war nicht schlimm, aber auch nicht gerader erholsam. Da alle Kabinen ausgebucht waren, blieben wir im Aufenthaltsraum für Passagiere. Chan spielte mit den anderen Kindern und Florian las der kleinen Horde mindestens eine Stunde lang Geschichten vor. Weit nach unserer üblichen Bettzeit versuchten wir endlich etwas Schlaf zu finden. Chan, den wir auf Florians Jacke zwischen die Zitzereihen gebettet hatten, bekam noch den meisten Schlaf. Flo und ich schliefen abwechselnd neben Chan, eingequetscht zwischen den Sitzreihen oder im Sitz, dessen Armlehen nicht verstellbar waren..
In Mazatlan hatten wir keine Ahnung, wohin wir uns wenden sollen. Wir brauchten dringend einen Fahrradladen, um meine Bremse zu reparieren, also beschlossen wir, in der Stadt zu übernachten. Zuerst fragten nach der Touristeninformation. Auf dem Platz vor der Kathedrale gab uns ein Polizist eine Wegbeschreibug und ein Einheimischer warnte uns vor Taschendieben. In der Touristeninformation hatten die Angestellten keine Ahnung bezüglich eines Campingplatzes. Aber sie gaben uns einen Stadtplan und zeigten uns wo wir Fahrradgeschäfte und einen Supermarkt finden konnten. Als Flo und Chan aus der Information rauskamen, rief jemand: „oh Radreisende, wie aufregend!“ Der Amerikaner und sein Freund sahen aus, als würden sie sich hier auskennen. So fragten wir sie nach einem Campinglatz. Tom lud uns stattdessen in sein Haus ein, das er auf der Insel Ilsa de la piedra am Strand gemietet hatte.
Nachdem wir eine ordentliche Bremse für mein Fahrrad und eine akzeptable Straßenkarte von Mexiko gefunden hatten, kauften wir noch Lebensmittel ein und begaben uns zum Anlegehafen der Taxiboote zur Isla de la piedra

Als wir mit unseren dort mit unseren schwerbeladenen Fahrrädern ankamen, war das überhaupt kein Problem für die Männer. Wir bekamen unser eigenes Boot und ein „Steuermann“ half das Gepäck, die Fahrräder und den Anhänger aufzuladen. Für 50 Pesos setzten wir auf die Insel über und dort wurden wir mitsamt unserer Fracht auf einem wackeligen Bootssteg wieder abgeladen. Eine schmale Strasse führte uns durch ein kleines Dörfchen, wo man vom Fischfang und den Kokosnüssen lebt zu einem überfüllten Touristenstrand.
Mühsam schoben wir die Fahrräder durch den weichen Sand zum Wasserrand, dort wo der Sand wieder fest war. Nachdem wir die Touristenmeile verlassen hatten fuhren wir an das stille Ende des Strandes, wo Tom sein Haus hatte. Er war heute, nur ein paar Stunden vor uns erst angekommen. Tom kochte Abendessen und anschließend besuchten wir seinen Freund, einen nordamerikanischen Künstler, der jedes Jahr 6 Monate auf der Insel lebt. Gemeinsam aßen wir zu Abend und quatschten bis spät in die Nacht. Vier Tage genossen wir unseren Strandurlaub. Am Morgen hatte Tom bereits den Kaffee fertig, wenn wir aufstanden und verwöhnte uns mit Frühstück (Eierkuchen, arme Ritter, …). Jeden Morgen zwischen 9 und 10 Uhr kam eine Herde Pferde am Haus vorbei und es wurde uns Trinkwasser geliefert. Wir spielten mit Chan am Strand, erholten uns und lasen in Toms Reiseführer über Mexiko. Wäsche waschen und ein Besuch in Mazatlan standen ebenso auf dem Programm. Dort besuchten wir den ersten mexikanischen mercado (Markt). Es war ein riesiges Gebäude mit unzähligen Ständen wie Fleisch, Früchte, Gemüse, Kräuter, warmes Essen aber auch Kleidung und Schmuck und vieles mehr.

Manchmal ist es besser, nicht zu wissen, was der Tag bringt!
Roberto, der Nachbar hatte ein Taxi für uns organisiert, das uns zurück auf die Hauptstrasse nach Tepic, die Mex 15 bringen sollte. Auf diese Weise mussten wir nicht mit dem Taxiboot zurück in die Stadt fahren und wieder herausfinden. Es wurde uns von deutschen Radlern empfohlen, lieber die Cuota (Mautstraße) als die normale Straße zu nehmen. Und wirklich, die Cuota hatte einen guten Seitenstreifen, war gut in Schuss und es herrschte viel weniger Verkehr als auf der mautfreien Strasse. Am ersten Kassenhäuschen verbrachten wir die Nacht, was gar kein Problem war. Der Vorgesetzte war so fasziniert von unserer Reise, dass er uns das gesamte Wasser umsonst gab, ebenso Kaffe am nächsten Morgen, belegte Brote, als Wegzehrung und obendrein noch Telefonkarten, dass wir zu Hause anrufen können. Er berichtete uns von zwei anderen Pärchen mit dem Fahrrad, die ebenfalls vorbeigekommen waren und, dass er nun Fotos von Fahrradreisenden sammelt. Also fügte er unser Bild seiner „Galerie“ hinzu.
Die Landschaft war völlig anders, als auf der Baja. Jetzt war es grün fast schon wie im Dschungel. Wir sahen Maisfelder, Mangoplantagen und andere uns unbekannte Pflanzungen, Kühe grasten zwischen den Büschen am Straßenrand und manchmal waren sie auch auf der Strasse. Die Luft war schwer und feucht. Es war warm so warm, dass wir bereits nach kurzer Fahrt nass geschwitzt waren. Bild 6
Nach etwa 30km war die Mautstrasse gesperrt, da sie noch nicht ganz fertiggestellt war. Wir fuhren trotzdem weiter und hatten eine entsprechend entspannte Fahrt, kein Verkehr störte uns, nur dann und wann fuhren ein paar Baustellenfahrzeuge oder Einheimische vorbei.
Je weiter wir kamen um so weniger war die Strasse fertiggestellt. Die Bauarbeiter lachten und winkten: „ Wohin fahrt ihr?“ Niemand störte es, dass wir durch die Baustelle fuhren. Drei Tage lang folgten wir der Cuota. Der zweite Tag war der beste, wo wir am Ende des Tages unser Zelt hinter einem Laden aufstellten und dort auch noch duschen konnten.
Nach einem guten morgendlichen Start am dritten Tag auf der Cuota, mussten wir diese nach kurzer Zeit verlassen, da eine Brücke noch nicht fertig gestellt war. Also fuhren wir auf die danebenliegende mautfreie Strasse, wo uns eine endlose Autoschlange, vorwiegend LKWs erwartete. Es war sehr windig und gab keinen Seitenstreifen, der Verkehr sauste an uns vorbei. Ein LKW hupte laut, überholte und wir hatten gerade noch Zeit, uns in den Straßengraben zu flüchten. Die Bauarbeiter riefen uns zurück auf die unfertige Cuota. Die war zwar noch nicht asphaltiert, aber der grobe, feste Schotter war allemal besser als der Wahnsinnsverkehr. Bild 9
Nach der Kreuzung Richtung San Blas vereinigte sich die Cuota mit der normalen Strasse. Diese war alt und es gab kaum Seitenstreifen und wenn, dann war dieser zugemüllt oder der Asphalt aufgerissen. Der Verkehr war immer noch heftig, steile Berge führten uns durch tropische Wälder in das mexikanische Hochland. Es war heiß und feucht, Chan konnte es im Anhänger nicht mehr aushalten, also legten wir einen Notfallstopp ein. Mit Saft und nur in Unterwäsche bekleidet, war er wieder bereit einzusteigen. Weiter traten wir in die Pedalen, bergauf und immer wieder bergauf, um auf jedem Hügel zu entdecken, dass weitere zu erklimmen vor uns lagen. Mittlerweile war Flo’s Stimmung auf einem Tiefpunkt. Ich versuchte uns aufzumuntern so gut ich konnte. Langsam, ganz langsam, Meter für Meter kamen wir auf eine kaputten Asphaltdecke voran. Endlich erschien ein Mauthäuschen, die erste Übernachtungsgelegenheit heute. Aber zum ersten Mal in Mexiko wurde uns nicht erlaubt, unser Zelt aufzustellen. Also fuhren wir weiter, bergauf und fragten an einem der zahlreichen Geschäfte, auch hier wurden wir fortgeschickt. Die 4 km bergauf bis nach Tepic, konnten wir nicht mehr schaffen. Nicht heute, wir waren kaputt und hatten keine Nerven uns in so einer lauten, großen Stadt noch eine Unterkunft zu suchen. Doch wir mussten weiter. Es gab eine Kindertagestätte ??? auf der andern Straßenseite und dort endlich erlaubte uns die Frau, obwohl der anwesende Mann zögerte, dass wir bleiben durften. Auf einer schönen Grasfläche ihres Grundstückes konnten wir das Zelt aufbauen. Für Chan gab es ein Trampolin, eine Schaukel und Sand zum spielen. Der Besitzer versicherte mir, dass es hier keine gefährlichen Tiere wie Skorpione und Schlangen gab, obwohl uns ein Ladenbesitzer genau davor gewarnt hatte.
Spät am nächsten Morgen erreichten wir die Stadt, zunächst hatten wir einen Platten zu flicken. Wir fuhren geradewegs zum Supermarkt einkaufen. Dort spielte Chan auf den Autos, die sich bewegen und Geräusche machen, wenn man Geld in den Münzeinwurf steckt. Chan wusste davon nichts. Aber die Mexikaner lieben unseren kleinen Blondschopf und manche bezahlten im eine „Fahrt“. Unterdessen versuchte Flo einige Dinge im Internet zu organisieren. Den Rest des Tages verbrachten wir auf einem RV Park (ein Campingplatz, wo vorwiegend Wohnmobile und Anhänger stehen). Dort spielten wir Billard und duschten. Auch am nächsten Tag hatten wir noch einige Dinge zu erledigen und verließen Tepic recht spät. Was für eine Enttäuschung als uns auf am Beginn der Mautfernverkehrstrasse ein Schild „Keine Fahrräder erlaubt“ begrüßte. Wir sahen, dass es dort viel weniger Verkehr gab und einen guten Seitenstreifen. Dennoch drehten wir um, sei es aus Schweizer Korrektheit oder aus Dummheit und nahmen die alte Strasse.
Kurz Zeit später war ich schon wieder völlig erledigt von dem Verkehr, besonders den vielen LKWs, die uns überholten. Wir legten eine Pinkelpause für Chan und mich ein und aßen etwas, bevor wir uns wieder ins Getümmel stürzten. Plötzlich erklang hinter uns eine Sirene und ein Polizeiauto fuhr neben uns. „ Warum fahrt ihr hier??“ „ Es gibt doch die Cuota!“. Wir hielten an und versuchten zu erklären, dass Fahrräder auf der Cuota nicht erlaubt sein. Der Polizist hielt uns für „loco“ und entschloss sich, uns auf die Cuota zu eskortieren. ZU Chans Freude begleitete er uns mit Blaulicht zur nächsten Auffahrt.

“Die Schilder sind mein Problem!” oder so ähnlich, erklärte er uns. Im nächsten Ort tauchte wieder ein Polizeiauto hinter uns auf und wieder mussten wir anhalten. Sie machten Fotos von uns für den Bericht und wollten den Zweck und das Ziel unserer Reise wissen. Als sie endlich zufrieden waren, begleitete uns ein Auto das letzte Stück auf der Cuota. An der Bezahlstation mussten wir warten, weil die Beamten irgendetwas mit dem Kassierer diskutierten. Als sie uns heranwinkten, erklärte man uns, dass wir entweder den Tarif für ein Auto bezahlen müssten oder unsere Fahrräder um das Häuschen herum etwa 10 m durch das Gras schieben müssten. Zunächst dachten wir, dass wäre ein Scherz, aber es war ihr Ernst. Also schoben wir die Fahrräder mit Hilfe der Beamten durch das unwegsame Gelände, während das Polizeiauto derweil die Zufahrt der Cuota blockierte. Nach diesem ungewöhnlichen Erlebnis brauchten wir erst mal eine kleine Stärkung, anschließend fuhren wir auf dem gut ausgebauten Seitenstreifen davon. Es gab nur wenig Verkehr, der uns überholte. Wir wollten nur noch 15 Kilometer bis zu einer Kreuzung fahren, an der wir Häuser oder zumindest ein Geschäft vermuteten. Aber das war ein Fehler auf unserer Karte beziehungsweise ein Missverständnis mit dem Mann an der Bezahlstation, die Kreuzung tauchte nie auf. Als uns klar wurde, was passiert war, hatten wir noch mehr als 20 Kilometer bis zum nächsten Dorf vor uns. Es war bereits ziemlich spät und in einer Stunde würde es dunkel werden. Alle drei waren wir müde, aber einfach am Straßenrand zu zelten, trauten wir uns nicht. Abgesehen davon konnten wir auch keine geeigneten Platz entdecken, da wir entlang eines Lavaschlackefeldes fuhren. Also fuhren wir weiter, bergauf natürlich. Endlich waren wir auf dem Hügel angekommen und dort war ein Schild: nächste Tankstelle 10km. „ Puuh, das könnten wir bis Einbruch der nacht schaffen“, dachte ich. Wir blickten auf ein langes Tal und konnten weit unter uns die Lichter von Jala, dem Ort mit der Tankstelle sehen. Ich begann, die Kilometer zu zählen; 8,7,6 „wir schaffen es, wir schaffen es, wir schaffen es!“ murmelte ich vor mich hin. Dann wurde Flo plötzlich langsamer und hielt an. „ Was ist los?“ rief ich. „Ein Platten!“ So schnell wir konnten, entluden wir Flo’s Fahrrad, demontierten das Rad und wechselten den Schlauch, pumpten ihn auf und beluden das Rad wieder. Inzwischen war es bereits dunkel, wir befestigten die Taschenlampen am Rad und weiter ging es. „5km, 4,… Schon wieder wurde Flo langsamer. Noch ein Platten, wieder das Hinterrad. Also wiederholten wir den ganzen Zirkus erneut. Flo war richtig sauer und sprach kein Wort mehr. Chan war supergeduldig, nur ab und zu wollte er mal meine Hand halten. Flo war gerade zur Weiterfahrt bereit, als ich bemerkte, dass mein Hinterrad ebenfalls platt war. Alle Ersatzschläuche waren bereits aufgebraucht. Flo verlor die Beherrschung, er schmiss sein Fahrrad hin und fluchte. Chan begann zu weinen, noch nie hatte er seinen Vater so gesehen. Ich schrie Flo an: „Krieg dich wieder ein! Pumpe den Schlauch einfach wieder auf, so dass wir weiter können. Es sind nur noch vier Kilometer! Wir brauchen unser Kraft um zu dieser verdammten Pemex Tankstelle zu kommen. Guck dir mal Chan an, wie lieb und geduldig er ist, er hat das nicht verdient!“ Ich gab Flo einige Granola Riegel zu essen und er pumpte den Schlauch auf. Schnell sprang ich auf mein Rad und rollte los. Immer noch 3 Kilometer und schon wieder war mein Reifen platt. Wieder pumpen, noch 2 km, wieder pumpen, ich trat so schnell ich konnte in die Pedale, glücklicherweise ging es bergab. Wir waren schon so nahe, ich konnte die Lichter der Stadt bereits sehen und immer noch war das Ziel außer Reichweite. Noch 1 Kilometer , der Reifen war platt bis auf die Felge, pumpen und weiter, weiter. Ich war an der Ausfahrt, wieder pumpte Flo den Reifen auf und es hielt etwa 500m bis zur Brücke. Inzwischen schob ich mein Rad die Brücke hinauf. Flo wartete oben auf mich. Wieder pumpte er das Rad auf und ich rollte 500m. Da war die Tankstelle. Ich schickte Flo voran und schob das Rad zur Tankstelle. Nie in meinem Leben war habe ich mich so über eine Tankstelle gefreut. Es gab schönen Rasen, der nur darauf wartete, dass wir unser Zelt darauf aufstellten. Flo fragte die Angestellte, ob das möglich wäre und erklärte, dass wir einfach nicht weiter konnten und zeigte auf das platte Hinterrad. Sie erlaubte es uns. Vor Erleichterung, dass wir es endlich geschafft hatten, kamen mir die Tränen. Völlig erledigt und hundemüde kochten wir, spielten noch etwas mit Chan und stellten unser Zelt auf, 21.30 Uhr krochen wir in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Tag fuhren wir lediglich 16 km in die nächst größere Stadt und nahmen ein Hotelzimmer. Am Nachmittag erholten wir uns, saßen auf der Plaza und Chan spielte.
Noch eine Nacht verbrachten wir am Straßenrand an einer Mautstation, dann erreichten wir Guadalajara.
Hier sind wir im Moment und haben gefunden, was wir für die Fahrräder brauchten (5 neue Reifen, ein Band, das man in den Reifen legt, um Platten zu verhindern, neues Felgenband für mein Hinterrad, 2 neue Reifen für Flo’s Fahrrad und wir konnten einen unserer Spiegel in einer Autowerkstatt reparieren). Schließlich bekam ich meine neue Kreditkarte, Flo kaufte eine neue Therm a rest Matte (seine hat schon seit unserem ersten Tag in Mexiko nicht mehr funktioniert) und Chan bekam eine kleine Holztrommel und neue Schuhe, die er bitter nötig hatte. Morgen werden wir die Stadt wieder verlassen.

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Baja California Sur (18.Dez.06 – 2.Jan.07)

Posted by on Jan 21 2007 | Deutsch

Bergpaesse und Straende

Bereits ein Monat ist seit unserem letzen Update vergangen. Mittlerweile sind wir auf dem mexikanischen Festland und machen in Guadalajara, Mexikos zweitgrößter Stadt eine Pause. Aber zunächst zurück nach Guerro Negro auf der südlichen Baja California:

Nachdem wir die Stadt verlassen hatten, fuhren wir fast den ganzen Tag geradeaus in Richtung Südost. Die erste Kurve erwartete uns ca. 5 km vor der Stadt, in der wir übernachteten. Die Landschaft war dementsprechend etwas langweilig mit wenig Aussicht auf das Flachland, Büsche und einige Kakteen. Aber direkt vor uns auf dem Boden blühten tausende Wildblumen in Rot, Rosa, Gelb und Orange.

Nach San Ignacio stieg die Strasse lange glaeichmaessig an, es war der dritte Tag, nachdem wir Guerro Negro verlassen hatten. Heute dachten wir, dass wir nach einer relativ einfachen Strecke in Santa Rosalia eintreffen würden. Aber nach nur 10 km hatte ich einen Platten, den wir am Straßenrand in einer steilen Kurve flicken mussten. Wir fuhren an dunklen Lavafeldern vorbei und sanften Hügel, die mit in lila und blau blühenden Sträuchern, Wildblumen und Kakteen bewachsen waren. Die Szenerie wurde von in der Ferne aufsteigenden Vulkanen eingerahmt. Die Strasse wand sich mühsam bergauf und der starke Seitenwind, brachte uns nicht gerade schneller vorwärts. Endlich schien es, dass wir den Gipfel erreicht hatten und wir sausten eine steile, kurvige Passstrasse hinab, nur um gleich wieder bergauf zu strampeln. Kurz darauf hatten wir einen Gipfel erreicht und konnten nun endlich in der Ferne das Cortez Meer sehen. Jetzt führte die Strasse in wenigen steilen Kurven hinab und wieder folgte der Abfahrt ein Berg, dieser Pass war zwar steil, aber relativ kurz. Die nun letzte Abfahrt führte uns in Richtung Meer. Die Schatten wurden bereits länger und wir waren müde. Die Einfahrt nach Santa Rosalia fuehrte uns an einer verfallenen französischen Mine vorbei. Auf dem Hügel waren einige Wellblechhütten und überall lag Müll herum. Diese Seite der Baja schien etwas wärmer zu sein, obwohl wir es immer noch nicht als Strandwetter bezeichnen würden. Nichtsdestotrotz entschieden wir uns, eine Pause an den wunderschönen Stränden von Bahia Conception einzulegen.

Es war einer dieser wirklich windigen Tage und wir waren auf der Suche nach etwas Schutz, als wir die kleinen Palmwedelhütten an einem Traumstrand erblickten. Eine dieser Palapas schien direkt auf uns zu warten, und so stellten wir unser Zelt darin auf. Kurze Zeit später waren alle Palmwedelhütten belegt. Unsere Nachbarn zur einen Seite, ein kanadisches Ehepaar lud uns, zum Schutz vor dem Wind in ihr Wohnmobil ein. Auf der anderen Seite war ein kleines Mädchen aus Kalifornien (USA) zum Spielen für Chan. Sie war mit ihrer Mutter und ihrem Onkel unterwegs. Einen ganzen Tag lang ruhten wir uns aus und spielten am Strand. Der Wind pausierte ebenfalls und so konnten wir einen schönen, sonnigen und warmen Tag genießen. Die Kanadier borgten uns Kajaks, so dass wir die Bucht erkunden konnten und von den Kaliforniern bekamen wir Brot und Wasser. Am Abend kam eine weitere Familie mit vielen Kindern in einem Van an. Sie entzündeten ein Feuer und bald spielten alle Kinder darum herum und aßen Snacks. Fasziniert von unserer Reise füllten die Nachbarn all unsere Vorräte auf, bevor wir am nächsten Tag aufbrachen. Chan bekam Bio- Apfelmus und Orangensaft. Und wir bekamen Trockenfrüchte, Tortillas und Mandarinen. Am Morgen wurde uns Kaffee und Chan Kakao gekocht und von Kayla, dem kalifornischem Mädchen, bekam Chan einige ihrer Spielsachen geschenkt.

Der Wind hatte wieder aufgefrischt und blies diesmal aus der richtigen Richtung fuer uns. An diesem Tag radelten wir über 90 km nach Loreto, wo wir Weihnachten verbrachten. Logischerweise war der Fahrradladen geschlossen, so dass wir ein Klebband anstatt des Felgenbandes in meinem Hinterreifen montieren mussten, um weitere Pannen zu verhindern. Ich hatte so viele Platten in den letzen Wochen und alle Löcher waren an der Innenseite des Schlauches, diese konnten nicht von Dornen oder Glassplittern verursacht worden sein. Endlich fanden wir die Lösung, die Mechaniker in Monterrey (USA) hatten, als sie mein Rad wechselten das alte, ausgeleierte Felgenband wieder verwendet und dieses blieb nun nicht mehr glatt im Reifen liegen, sondern schnitt in den Schlauch.

Von Loreto aus konnten wir die Sierra de la Giganta erblicken, eine beeindruckende Bergkette mit spitzen, nadelgleichen Gipfeln. Früh am Morgen machten wir uns an den Aufstieg, vor dem uns die amerikanischen „Einheimischen“ gewarnt hatten. Bereits nach ein paar Kehren verloren wir das Cortez Meer aus den Augen. Die nächsten 10km flogen geradezu vorbei, so dass wir uns schon bald in der nächsten Stadt wähnten, als die Strasse begann, sich direkt an der Felswand entlang, bergan zu winden. Es war heiß, die Felsen strahlten die Sonnenhitze ab und Chan konnte keinen Schlaf finden. Seine kleinen Wangen glühten und er war völlig nassgeschwitzt. Es gab weit und breit keinen Schatten zum Ausruhen. Ich musste wenigstens ein paar Minuten im winzigen Schatten des Anhängers verschnaufen. Unterdessen trocknete Chan, während er in der Sonne spielte. Florian füllte seine Kraftreserven mit Avocado- Käse Tortillas auf, während er die Fahrräder festhielt. Die Abfahrt war lang und sanft. Ein heißer, trockener Gegenwind war unser Begleiter. Wir übernachteten in der ersten Ortschaft, etwa 10 km vor Ciudad Insurgentes und stellten unser Zelt hinter einem kleinen Laden und einer verlassenen Pemex Tankstelle auf. Kurz bevor wir in unser Zelt krochen, bekamen wir einen ungebetenen Gast. Ein Betrunkener, der Unsinn erzählte und wirklich schwer loszuwerden war. Am Morgen war er schon wieder da und rief uns, aber wir taten, als schliefen wir noch, später war er dann verschwunden.

Von Ciudad Constitution radelten wir wieder 90km an einem Tag und fragten am Abend, ob wir unser Zelt hinter einem kleinen Laden aufstellen dürften. Susana, die Tochter des Besitzers und ihr Mann luden uns statt dessen in ihr Zweizimmerhaus ein und wir schliefen in einem Bett im Wohnzimmer. Sie brachten uns Abendessen und Chan spielte mit ihrer vier Jahre alten Tochter und einigen anderen Kindern. Um nicht zu frieren, zündeten die Nachbarn ein Feuer an, wir alle saßen drum herum, lutschten Bonbons und Lutscher (die Mexikaner lieben Süßigkeiten) und schauten den Kindern beim Spielen zu. Chan lernte zu sagen: Jugar con migo (Spiel mit mir). Als wir in das Haus unserer Gastgeber zurückkehrten, begleiteten uns etwa 20 Nachbarn. Susana und Marcos Haus war an der Reihe Jesus (eine Puppe in einer Wiege) für die Nacht zu beherbergen. Nachdem Jesus auf dem Tisch im Wohnzimmer platziert war, beteten alle und sangen gemeinsam, während die Kinder um sie herumwuselten und spielten.

Die Stadt in der wir die Nacht verbringen wollten, war verlassen. Der Tag war anstrengend gewesen, viele Steigungen hatten uns ausgelaugt. Nun mussten wir weiter, noch dazu hatten wir wenig Hoffnung, in den nächsten Kilometern eine Siedlung zu finden, da die Karte nichts dergleichen auf dieser Strecke verzeichnete. Aber nach einer halben Stunde sahen wir das Tecate Zeichen auftauchen. Es wurde uns erlaubt, neben dem kleinen Straßenrestaurant zu campen. Drei Mädchen beobachteten jede unserer Handlungen und fragten tausend Fragen, von denen wir die wenigsten verstanden. Nicht nur wegen mangelnder Spanischkenntnisse sondern, weil es typische Kinderfragen waren:“Kann dein Mann auch kochen?��? “Ja, kann er.��? “Warum kochst du dann?��? Oder: “Warum kochst du Möhren, und sind das grüne Bohnen?��? “Warum mischt du die zusammen?��? Oder: ��? Wie nennst du das?��? “Spaghetti.��? “Was bedeutet Spaghetti?��?

Endlich erreichten wir La Paz unser letztes Ziel auf der Baja. Vergeblich versuchten wir einige Dinge zu erledigen, die Fahrradläden waren geschlossen oder hatten keine einzelnen Hinterradbremsen für mein Fahrrad. Seit der ersten Woche in Mexiko löste sich meine Hinterradbremse in Einzelteile auf, bisher hatten wir es noch nicht geschafft, sie zu ersetzten. Das Fährbüro war bis zum 2. Januar geschlossen , eine Touristeninformation gab es nicht. Zu Sylvester gingen wir essen und zum ersten mal auf dieser Reise bekamen wir gutes, vegetarisches, mexikanisches Essen serviert. Später am Abend zündeten wir ein paar Wunderkerzen für Chan an. Er war etwas misstrauisch, obwohl er voriges Jahr davon ganz begeistert gewesen war. Wir aßen Chips und tranken Bier, schafften es aber nicht, bis Mitternacht aufzubleiben. Unsere innere Uhr ging mit der Sonne, abgesehen davon war es ziemlich kalt und es gab auf dem Zeltplatz nichts zu tun. Früh am Morgen des zweiten Januars begab sich Flo zum Fährbüro, um Tickets für die Überfahrt nach Mazatlan noch am selben Tag zu besorgen. Als Chan wach war, gingen wir beide Lebensmittel einkaufen. Zurück auf dem Zeltplatz packten wir so schnell als möglich unserer Sachen und fuhren zum Anlegeplatz, der 20 km entfernt war. Drei Stunden vor Abfahrt der Fähre kamen wir dort an, aber wir mussten bis zum Schluss warten, wir waren die letzten, die an Bord durften.

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Mexico! (1. – 17. Dezember 2006)

Posted by on Jan 21 2007 | Deutsch

No hablar ingles

Wir waren wegen der bevorstehenden Grenzüberquerung nervös. Die Straße hatte sich bereits fünf Kilometer zuvor verändert, sie war schlecht und schmal. Die Häuser auf der amerikanischen Seite glichen Baracken, alles war staubig. Im Grenzhäuschen war niemand, unsere Pässe wurden nicht kontrolliert. Auf der mexikanischen Seite beobachtete uns ein Grenzbeamter von seinem Auto aus. Wir versuchten ihn zu fragen, wo wir unsere Touristenkarten bekommen können. Er antwortete „ Ich spreche kein Englisch“, den Rest konnten wir nicht verstehen, da er viel zu schnell sprach. Aber aus seinen Gesten schlussfolgerten wir, dass wir unsere Fahrräder, wie Autos auf dem Parkplatz zu parken hätten. Es war nicht erlaubt, sie an eine Wand zu lehnen, also ging Florian mit unseren Pässen in das Büro und ich blieb bei den Rädern auf dem Parkplatz. Es war kein Problem, eine Aufenthaltsgenehmigung für ein halbes Jahr zu bekommen als Florian dem Beamten erzählte, dass wir mit dem Fahrrad unterwegs sind. Er trug Chan sogar auf Florians Touristenkarte ein, so dass wir für ihn nicht extra bezahlen mussten. Andrea und Jörg hatten ebenfalls die Grenze überquert und gemeinsam gingen wir und die berühmte Tecate Bäckerei und kauften Brot uns Süßes. Andrea und Jörg verließen uns gleich wieder, sie wollten heute noch 70 km zurücklegen, für uns zu viel. Unser Ziel war ein Dorf 30km südlich von Tecate. Zunächst erkundenden wir den ersten mexikanischen Supermarkt, dann verließen wir die Stadt auf der Mex 3.

In den USA hatten uns die Leute sehr oft vor den Straßen der Baja gewarnt. Aber wie gehabt, ist ein Rat, der nicht von einem Fahrradfahrer stammt, der die gleich Strecke zurückgelegt hat, kein wirklicher Rat für uns. Erfreut stellten wir fest, dass die Autos und Lkws hinter uns abbremsten und großräumig überholten. Natürlich gab es auch hier Verrückte, die entweder eine Brille brauchen oder die einfach keine Rücksicht nehmen und uns gefährlich überholten. Aber der Verkehr in den USA war oft trotz guter Seitenstreifen wesentlich stressiger für uns.

Langsam strampelten wir bergauf, plötzlich gab es hinter uns einen lauten Knall. Das Auto direkt hinter uns lies den Gegenverkehr vorbei, überholte uns und fuhr davon. Das zweite Auto hupte und hielt auf der Strasse an. Im nächsten Ort hatte es uns eingeholt und hielt vor uns an. Drei Mexikaner stiegen aus. Einer von Ihnen zog eine richtige Show ab, er klatschte und rieb sich die Hände während er im Kreis lief, dann ging er schnurstracks auf Florian zu. Er zeigte auf seinen kaputten Scheinwerfer. Die drei sprachen keinerlei Englisch, wir verstanden kein Spanisch, aber es war klar, dass sie von uns Gringos Geld wollten, weil sie auf das andere Auto aufgefahren waren. Aber genauso klar war es für alle Beteiligten, dass das nicht unsere Schuld war. Ein paar Mal wies Florian sie daraufhin, dann stiegen wir in die Sättel und fuhren einfach weiter.

Gegen 3 Uhr nachmittags erreichten wir Valle de los Palmas. So richtig wussten wir nicht, wohin und wo wir nach einem Übernachtungsplatz fragen könnten. Also fragte Florian nach der Polizeistation, der Beamte dort war supernett und versuchte unsere drei Worte spanisch zu verstehen. Er erlaubte uns, im Stadtpark zu bleiben. Wir kauften Chips und Wasser und kochten unser Abendessen. Es war sehr ruhig im Park, außer uns war niemand da. Ein Auto parkte, dann noch eins, sie spielten laute Musik, nach einer halben Stunde, fuhren sie wieder davon. Müde krochen wir, begleiten von den dörflichen Geräuschen der Hühner und Pferde in unser Zelt, als wieder mehrere Autos vorfuhren und plötzlich fand rund um uns eine Party statt. Mexikanischer Lebestil oder Freitagabend Party? Chan schlief schnell ein aber Florian und ich schlummerten erst, nachdem das letzte Auto davon gefahren und der letzte dröhnende Bass verklungen war.

Ensenada war laut und stinkig. Kurz nachdem Ortseingang hatten wir wegen der Glassplitter auf der Straße einen Platten. Im Supermarkt kauften wir Lebensmittel und in einem Fahrradgeschäft erneuerten wir Florians gebrochenen Pedalkorb. Die vierspurige südliche Ausfallstraße war stark befahren aber es gab einen guten Seitenstreifen. Nach Maneadero wurde der Verkehr ruhiger, die Strasse wand sich bergauf durch Farmland und staubige Felsenlandschaft.

Immer noch auf der Pazifikseite der Baja feierten wir Chans dritten Geburtstag. Zum Abendessen gingen wir in ein Restaurant und bestellten gekochte Feigenkaktusblätter, Bohnen und Quesadillas (mit Käse gefüllte Tortilla). Die Bedienung brachte sogar Kerzen und einen dekorierten Schokoladenkuchen für ihn.

Nun begaben wir uns in die zentrale Wüste der Baja, der erste Abschnitt der Reise, wo es schwierig wurde, uns mit Trinkwasser zu versorgen. Es gibt lange Strecken ohne Städte, Farmen oder Straßenrestaurants, wir mussten Wasser für zwei Tage mit uns führen. Sieben Tage lang mussten wir mindestens 50 Kilometer am Tag zurücklegen um sicher zu gehen, dass wir unsere Wasservorräte auffüllen können. Das Essen war kein Problem. Der erste Tag brachte eine lange Steigung auf ein Hochplateau. Der Wind wehte heftig in Böen  und verlangsamte unsere Geschwindigkeit. Die Nacht verbrachten wir in einer llantera ( Lkw Werkstatt) mitten in der Einsamkeit der Sonora Wüste. Am Morgen war unser Zelt und unsere Umgebung mit Reif bedeckt. Das erstemal fragte Chan nach seinen Handschuhen.

Mittlerweile sprachen wir soviel Spanisch, um nach dem Weg, Wasser und einem Schlafplatz zu fragen und ungefair 30% der Antworten zu verstehen. Wir hatten keinerlei Probleme einen Schlafplatz zu finden, die Leute ließen uns entweder auf ihrem Grundstück schlafen oder im Stadtpark. Unsere Koerper schreien geradezu nach Süßem und wir erkundigen uns immer nach der Panaderia (Bäckerei), um leckere Kekse und Brot zu kaufen. Zum Mittagessen leeren wir zudem eine Flasche „ Zuckerwasser“!

Die Straße führte langsam wieder Richtung Pazifik, aus den Bergen wieder in eine flachere Gegend. Der Wind meinte es mit einemmal gut mit uns und schob uns über eine schnurgerade Straße direkt in Richtung des Ozeans. Rechts uns links der Straße wuchsen Saguaros, Barrel Kakteen, ebenso wie Dr. Seuss trees und Mesquite Bäume.

Über 20 Kilometer lang zeigte Florians Tachometer eine Geschwindigkeit von mehr als 40 km/h. An diesem Tag legten wir 103 km zurück, die Strecke von zwei Tagen in einem. In Rosarito (es gibt mindestens 5 Städte auf der Baja die so heißen), übernachteten wir bei Manuel und Maria, einem mexikanischen Ehepaar, das wir vor ein paar Tagen unterwegs kennen gelernt hatten und die uns zu sich eingeladen hatten. In ihrem Haus konnten wir zum erstenmal wieder Duschen und sie bekochten uns ein wundervolles Abendessen. Am nächtens Morgen erwartete uns ein ebenso gutes Frühstück. Die Beiden waren von Chan sehr angetan, der hier seine ersten spanischen Worte sprach.

Nun erholen wir uns etwas in Guerro Negro, reparieren wieder mal unser Zelt und waschen unserer Wäsche bevor wir erneut ins Landesinnere fahren. Diesmal werden wir die Baja komplett bis zum Cortez Meer auf der anderen Seite durchqueren.Nun erholen wir uns etwas in Guerro Negro, reparieren wieder mal unser Zelt und waschen unserer Wäsche bevor wir erneut ins Landesinnere fahren. Diesmal werden wir die Baja komplett bis zum Cortez Meer auf der anderen Seite durchqueren.

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Die erste Woche

Posted by on Aug 15 2006 | Deutsch

Nun sind wir also endlich unterwegs! Und schon mussten wir an unserem Anhaenger zwei Platten flicken. Auch den ersten richtigen Regen haben wir hinter uns.

Bis jetzt liebt Chan das Unterwegssein. Wenn wir mal anhalten, um etwas kleines zu essen oder zu trinken, sagt er uns, wir sollen weiterfahren. Heute morgen waren seine ersten Worte:” Ich wett jetzt fahre mit em Velo. Goemmer uf Mexico jetzt!”

Der erste Reisetag brachte uns von Vancouver nach North Vancouver, wo wir eine Nacht beim Squamish Nation Powwow uebernachteten. Den Nachmittag verbrachten wir mit Kelley und Eden, Freunden aus Vancouver.

Am naechsten Tag nahmen wir die Faehre von Horseshoe Bay nach Nanaimo. Weil wir ein paar Tage spaeter einen Freund bei den Sooke Potholes (In einem Bach ausgewaschene Becken; im Sommer erwaermt sich das Wasser schoen zum darin baden) treffen wollten, nahmen wir unsere zwei ersten 70km Etappen unter die Raeder. das war fuer uns alle drei recht anstrengend. Der zweite lange Tag gefiel uns aber trotzdem sher gut, da wir auf fast den ganzen Tag auf einem Veloweg, dem Lochside Trail und dem Galopping Goose Trail reisen konnten. Am spaeten Nachmittag begann es zu regnen, wir waren muede und hungrig. So schafften wir es nicht mehr bis zu den Potholes, nur noch bis Sooke, wo wir auf einem Zeltplatz in einer Huette uebernachten durften. So mussten wir das Zelt nicht im regen aufstellen!

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Kein Zuhause mehr

Posted by on Aug 02 2006 | Deutsch

Gestern zogen wir aus unserer Wohnung am Salsbury Drive in Vancouver, Canada aus und uebergaben die Hausschluessel unseren Nachmietern. Dann packten wir die letzten Taschen auf unsere Fahrraeder und fuhren die ersten ein, zwei Kilometer zu unserer Freundin Christine.

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Der Abend bevor wir auszogen. Chaos!

Nun haben wir kein zu Hause mehr. Unsere Raeder, das Zelt und die Strasse sind nun unser Heim. Fuer wie lange wohl?

Fuer ein paar Tage bleiben wir noch bei Christine und ihrer Familie um noch ein paar letzte Dinge zu organisieren. Unsre Fahrraeder sind schwer bepackt, vielleicht muessen wir uns noch von ein paar Sachen trennen bevor die “richtige Reise” Freitag oder Samstag morgen beginnt.

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