Baja California Sur (18.Dez.06 – 2.Jan.07)

Posted by on Jan 21 2007 | Deutsch

Bergpaesse und Straende

Bereits ein Monat ist seit unserem letzen Update vergangen. Mittlerweile sind wir auf dem mexikanischen Festland und machen in Guadalajara, Mexikos zweitgrößter Stadt eine Pause. Aber zunächst zurück nach Guerro Negro auf der südlichen Baja California:

Nachdem wir die Stadt verlassen hatten, fuhren wir fast den ganzen Tag geradeaus in Richtung Südost. Die erste Kurve erwartete uns ca. 5 km vor der Stadt, in der wir übernachteten. Die Landschaft war dementsprechend etwas langweilig mit wenig Aussicht auf das Flachland, Büsche und einige Kakteen. Aber direkt vor uns auf dem Boden blühten tausende Wildblumen in Rot, Rosa, Gelb und Orange.

Nach San Ignacio stieg die Strasse lange glaeichmaessig an, es war der dritte Tag, nachdem wir Guerro Negro verlassen hatten. Heute dachten wir, dass wir nach einer relativ einfachen Strecke in Santa Rosalia eintreffen würden. Aber nach nur 10 km hatte ich einen Platten, den wir am Straßenrand in einer steilen Kurve flicken mussten. Wir fuhren an dunklen Lavafeldern vorbei und sanften Hügel, die mit in lila und blau blühenden Sträuchern, Wildblumen und Kakteen bewachsen waren. Die Szenerie wurde von in der Ferne aufsteigenden Vulkanen eingerahmt. Die Strasse wand sich mühsam bergauf und der starke Seitenwind, brachte uns nicht gerade schneller vorwärts. Endlich schien es, dass wir den Gipfel erreicht hatten und wir sausten eine steile, kurvige Passstrasse hinab, nur um gleich wieder bergauf zu strampeln. Kurz darauf hatten wir einen Gipfel erreicht und konnten nun endlich in der Ferne das Cortez Meer sehen. Jetzt führte die Strasse in wenigen steilen Kurven hinab und wieder folgte der Abfahrt ein Berg, dieser Pass war zwar steil, aber relativ kurz. Die nun letzte Abfahrt führte uns in Richtung Meer. Die Schatten wurden bereits länger und wir waren müde. Die Einfahrt nach Santa Rosalia fuehrte uns an einer verfallenen französischen Mine vorbei. Auf dem Hügel waren einige Wellblechhütten und überall lag Müll herum. Diese Seite der Baja schien etwas wärmer zu sein, obwohl wir es immer noch nicht als Strandwetter bezeichnen würden. Nichtsdestotrotz entschieden wir uns, eine Pause an den wunderschönen Stränden von Bahia Conception einzulegen.

Es war einer dieser wirklich windigen Tage und wir waren auf der Suche nach etwas Schutz, als wir die kleinen Palmwedelhütten an einem Traumstrand erblickten. Eine dieser Palapas schien direkt auf uns zu warten, und so stellten wir unser Zelt darin auf. Kurze Zeit später waren alle Palmwedelhütten belegt. Unsere Nachbarn zur einen Seite, ein kanadisches Ehepaar lud uns, zum Schutz vor dem Wind in ihr Wohnmobil ein. Auf der anderen Seite war ein kleines Mädchen aus Kalifornien (USA) zum Spielen für Chan. Sie war mit ihrer Mutter und ihrem Onkel unterwegs. Einen ganzen Tag lang ruhten wir uns aus und spielten am Strand. Der Wind pausierte ebenfalls und so konnten wir einen schönen, sonnigen und warmen Tag genießen. Die Kanadier borgten uns Kajaks, so dass wir die Bucht erkunden konnten und von den Kaliforniern bekamen wir Brot und Wasser. Am Abend kam eine weitere Familie mit vielen Kindern in einem Van an. Sie entzündeten ein Feuer und bald spielten alle Kinder darum herum und aßen Snacks. Fasziniert von unserer Reise füllten die Nachbarn all unsere Vorräte auf, bevor wir am nächsten Tag aufbrachen. Chan bekam Bio- Apfelmus und Orangensaft. Und wir bekamen Trockenfrüchte, Tortillas und Mandarinen. Am Morgen wurde uns Kaffee und Chan Kakao gekocht und von Kayla, dem kalifornischem Mädchen, bekam Chan einige ihrer Spielsachen geschenkt.

Der Wind hatte wieder aufgefrischt und blies diesmal aus der richtigen Richtung fuer uns. An diesem Tag radelten wir über 90 km nach Loreto, wo wir Weihnachten verbrachten. Logischerweise war der Fahrradladen geschlossen, so dass wir ein Klebband anstatt des Felgenbandes in meinem Hinterreifen montieren mussten, um weitere Pannen zu verhindern. Ich hatte so viele Platten in den letzen Wochen und alle Löcher waren an der Innenseite des Schlauches, diese konnten nicht von Dornen oder Glassplittern verursacht worden sein. Endlich fanden wir die Lösung, die Mechaniker in Monterrey (USA) hatten, als sie mein Rad wechselten das alte, ausgeleierte Felgenband wieder verwendet und dieses blieb nun nicht mehr glatt im Reifen liegen, sondern schnitt in den Schlauch.

Von Loreto aus konnten wir die Sierra de la Giganta erblicken, eine beeindruckende Bergkette mit spitzen, nadelgleichen Gipfeln. Früh am Morgen machten wir uns an den Aufstieg, vor dem uns die amerikanischen „Einheimischen“ gewarnt hatten. Bereits nach ein paar Kehren verloren wir das Cortez Meer aus den Augen. Die nächsten 10km flogen geradezu vorbei, so dass wir uns schon bald in der nächsten Stadt wähnten, als die Strasse begann, sich direkt an der Felswand entlang, bergan zu winden. Es war heiß, die Felsen strahlten die Sonnenhitze ab und Chan konnte keinen Schlaf finden. Seine kleinen Wangen glühten und er war völlig nassgeschwitzt. Es gab weit und breit keinen Schatten zum Ausruhen. Ich musste wenigstens ein paar Minuten im winzigen Schatten des Anhängers verschnaufen. Unterdessen trocknete Chan, während er in der Sonne spielte. Florian füllte seine Kraftreserven mit Avocado- Käse Tortillas auf, während er die Fahrräder festhielt. Die Abfahrt war lang und sanft. Ein heißer, trockener Gegenwind war unser Begleiter. Wir übernachteten in der ersten Ortschaft, etwa 10 km vor Ciudad Insurgentes und stellten unser Zelt hinter einem kleinen Laden und einer verlassenen Pemex Tankstelle auf. Kurz bevor wir in unser Zelt krochen, bekamen wir einen ungebetenen Gast. Ein Betrunkener, der Unsinn erzählte und wirklich schwer loszuwerden war. Am Morgen war er schon wieder da und rief uns, aber wir taten, als schliefen wir noch, später war er dann verschwunden.

Von Ciudad Constitution radelten wir wieder 90km an einem Tag und fragten am Abend, ob wir unser Zelt hinter einem kleinen Laden aufstellen dürften. Susana, die Tochter des Besitzers und ihr Mann luden uns statt dessen in ihr Zweizimmerhaus ein und wir schliefen in einem Bett im Wohnzimmer. Sie brachten uns Abendessen und Chan spielte mit ihrer vier Jahre alten Tochter und einigen anderen Kindern. Um nicht zu frieren, zündeten die Nachbarn ein Feuer an, wir alle saßen drum herum, lutschten Bonbons und Lutscher (die Mexikaner lieben Süßigkeiten) und schauten den Kindern beim Spielen zu. Chan lernte zu sagen: Jugar con migo (Spiel mit mir). Als wir in das Haus unserer Gastgeber zurückkehrten, begleiteten uns etwa 20 Nachbarn. Susana und Marcos Haus war an der Reihe Jesus (eine Puppe in einer Wiege) für die Nacht zu beherbergen. Nachdem Jesus auf dem Tisch im Wohnzimmer platziert war, beteten alle und sangen gemeinsam, während die Kinder um sie herumwuselten und spielten.

Die Stadt in der wir die Nacht verbringen wollten, war verlassen. Der Tag war anstrengend gewesen, viele Steigungen hatten uns ausgelaugt. Nun mussten wir weiter, noch dazu hatten wir wenig Hoffnung, in den nächsten Kilometern eine Siedlung zu finden, da die Karte nichts dergleichen auf dieser Strecke verzeichnete. Aber nach einer halben Stunde sahen wir das Tecate Zeichen auftauchen. Es wurde uns erlaubt, neben dem kleinen Straßenrestaurant zu campen. Drei Mädchen beobachteten jede unserer Handlungen und fragten tausend Fragen, von denen wir die wenigsten verstanden. Nicht nur wegen mangelnder Spanischkenntnisse sondern, weil es typische Kinderfragen waren:“Kann dein Mann auch kochen?��? “Ja, kann er.��? “Warum kochst du dann?��? Oder: “Warum kochst du Möhren, und sind das grüne Bohnen?��? “Warum mischt du die zusammen?��? Oder: ��? Wie nennst du das?��? “Spaghetti.��? “Was bedeutet Spaghetti?��?

Endlich erreichten wir La Paz unser letztes Ziel auf der Baja. Vergeblich versuchten wir einige Dinge zu erledigen, die Fahrradläden waren geschlossen oder hatten keine einzelnen Hinterradbremsen für mein Fahrrad. Seit der ersten Woche in Mexiko löste sich meine Hinterradbremse in Einzelteile auf, bisher hatten wir es noch nicht geschafft, sie zu ersetzten. Das Fährbüro war bis zum 2. Januar geschlossen , eine Touristeninformation gab es nicht. Zu Sylvester gingen wir essen und zum ersten mal auf dieser Reise bekamen wir gutes, vegetarisches, mexikanisches Essen serviert. Später am Abend zündeten wir ein paar Wunderkerzen für Chan an. Er war etwas misstrauisch, obwohl er voriges Jahr davon ganz begeistert gewesen war. Wir aßen Chips und tranken Bier, schafften es aber nicht, bis Mitternacht aufzubleiben. Unsere innere Uhr ging mit der Sonne, abgesehen davon war es ziemlich kalt und es gab auf dem Zeltplatz nichts zu tun. Früh am Morgen des zweiten Januars begab sich Flo zum Fährbüro, um Tickets für die Überfahrt nach Mazatlan noch am selben Tag zu besorgen. Als Chan wach war, gingen wir beide Lebensmittel einkaufen. Zurück auf dem Zeltplatz packten wir so schnell als möglich unserer Sachen und fuhren zum Anlegeplatz, der 20 km entfernt war. Drei Stunden vor Abfahrt der Fähre kamen wir dort an, aber wir mussten bis zum Schluss warten, wir waren die letzten, die an Bord durften.

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