Erneuter Strandurlaub

Posted by on Mar 05 2007 | Deutsch

Wieder Strandurlaub
Die Fährüberfahrt war nicht schlimm, aber auch nicht gerader erholsam. Da alle Kabinen ausgebucht waren, blieben wir im Aufenthaltsraum für Passagiere. Chan spielte mit den anderen Kindern und Florian las der kleinen Horde mindestens eine Stunde lang Geschichten vor. Weit nach unserer üblichen Bettzeit versuchten wir endlich etwas Schlaf zu finden. Chan, den wir auf Florians Jacke zwischen die Zitzereihen gebettet hatten, bekam noch den meisten Schlaf. Flo und ich schliefen abwechselnd neben Chan, eingequetscht zwischen den Sitzreihen oder im Sitz, dessen Armlehen nicht verstellbar waren..
In Mazatlan hatten wir keine Ahnung, wohin wir uns wenden sollen. Wir brauchten dringend einen Fahrradladen, um meine Bremse zu reparieren, also beschlossen wir, in der Stadt zu übernachten. Zuerst fragten nach der Touristeninformation. Auf dem Platz vor der Kathedrale gab uns ein Polizist eine Wegbeschreibug und ein Einheimischer warnte uns vor Taschendieben. In der Touristeninformation hatten die Angestellten keine Ahnung bezüglich eines Campingplatzes. Aber sie gaben uns einen Stadtplan und zeigten uns wo wir Fahrradgeschäfte und einen Supermarkt finden konnten. Als Flo und Chan aus der Information rauskamen, rief jemand: „oh Radreisende, wie aufregend!“ Der Amerikaner und sein Freund sahen aus, als würden sie sich hier auskennen. So fragten wir sie nach einem Campinglatz. Tom lud uns stattdessen in sein Haus ein, das er auf der Insel Ilsa de la piedra am Strand gemietet hatte.
Nachdem wir eine ordentliche Bremse für mein Fahrrad und eine akzeptable Straßenkarte von Mexiko gefunden hatten, kauften wir noch Lebensmittel ein und begaben uns zum Anlegehafen der Taxiboote zur Isla de la piedra

Als wir mit unseren dort mit unseren schwerbeladenen Fahrrädern ankamen, war das überhaupt kein Problem für die Männer. Wir bekamen unser eigenes Boot und ein „Steuermann“ half das Gepäck, die Fahrräder und den Anhänger aufzuladen. Für 50 Pesos setzten wir auf die Insel über und dort wurden wir mitsamt unserer Fracht auf einem wackeligen Bootssteg wieder abgeladen. Eine schmale Strasse führte uns durch ein kleines Dörfchen, wo man vom Fischfang und den Kokosnüssen lebt zu einem überfüllten Touristenstrand.
Mühsam schoben wir die Fahrräder durch den weichen Sand zum Wasserrand, dort wo der Sand wieder fest war. Nachdem wir die Touristenmeile verlassen hatten fuhren wir an das stille Ende des Strandes, wo Tom sein Haus hatte. Er war heute, nur ein paar Stunden vor uns erst angekommen. Tom kochte Abendessen und anschließend besuchten wir seinen Freund, einen nordamerikanischen Künstler, der jedes Jahr 6 Monate auf der Insel lebt. Gemeinsam aßen wir zu Abend und quatschten bis spät in die Nacht. Vier Tage genossen wir unseren Strandurlaub. Am Morgen hatte Tom bereits den Kaffee fertig, wenn wir aufstanden und verwöhnte uns mit Frühstück (Eierkuchen, arme Ritter, …). Jeden Morgen zwischen 9 und 10 Uhr kam eine Herde Pferde am Haus vorbei und es wurde uns Trinkwasser geliefert. Wir spielten mit Chan am Strand, erholten uns und lasen in Toms Reiseführer über Mexiko. Wäsche waschen und ein Besuch in Mazatlan standen ebenso auf dem Programm. Dort besuchten wir den ersten mexikanischen mercado (Markt). Es war ein riesiges Gebäude mit unzähligen Ständen wie Fleisch, Früchte, Gemüse, Kräuter, warmes Essen aber auch Kleidung und Schmuck und vieles mehr.

Manchmal ist es besser, nicht zu wissen, was der Tag bringt!
Roberto, der Nachbar hatte ein Taxi für uns organisiert, das uns zurück auf die Hauptstrasse nach Tepic, die Mex 15 bringen sollte. Auf diese Weise mussten wir nicht mit dem Taxiboot zurück in die Stadt fahren und wieder herausfinden. Es wurde uns von deutschen Radlern empfohlen, lieber die Cuota (Mautstraße) als die normale Straße zu nehmen. Und wirklich, die Cuota hatte einen guten Seitenstreifen, war gut in Schuss und es herrschte viel weniger Verkehr als auf der mautfreien Strasse. Am ersten Kassenhäuschen verbrachten wir die Nacht, was gar kein Problem war. Der Vorgesetzte war so fasziniert von unserer Reise, dass er uns das gesamte Wasser umsonst gab, ebenso Kaffe am nächsten Morgen, belegte Brote, als Wegzehrung und obendrein noch Telefonkarten, dass wir zu Hause anrufen können. Er berichtete uns von zwei anderen Pärchen mit dem Fahrrad, die ebenfalls vorbeigekommen waren und, dass er nun Fotos von Fahrradreisenden sammelt. Also fügte er unser Bild seiner „Galerie“ hinzu.
Die Landschaft war völlig anders, als auf der Baja. Jetzt war es grün fast schon wie im Dschungel. Wir sahen Maisfelder, Mangoplantagen und andere uns unbekannte Pflanzungen, Kühe grasten zwischen den Büschen am Straßenrand und manchmal waren sie auch auf der Strasse. Die Luft war schwer und feucht. Es war warm so warm, dass wir bereits nach kurzer Fahrt nass geschwitzt waren. Bild 6
Nach etwa 30km war die Mautstrasse gesperrt, da sie noch nicht ganz fertiggestellt war. Wir fuhren trotzdem weiter und hatten eine entsprechend entspannte Fahrt, kein Verkehr störte uns, nur dann und wann fuhren ein paar Baustellenfahrzeuge oder Einheimische vorbei.
Je weiter wir kamen um so weniger war die Strasse fertiggestellt. Die Bauarbeiter lachten und winkten: „ Wohin fahrt ihr?“ Niemand störte es, dass wir durch die Baustelle fuhren. Drei Tage lang folgten wir der Cuota. Der zweite Tag war der beste, wo wir am Ende des Tages unser Zelt hinter einem Laden aufstellten und dort auch noch duschen konnten.
Nach einem guten morgendlichen Start am dritten Tag auf der Cuota, mussten wir diese nach kurzer Zeit verlassen, da eine Brücke noch nicht fertig gestellt war. Also fuhren wir auf die danebenliegende mautfreie Strasse, wo uns eine endlose Autoschlange, vorwiegend LKWs erwartete. Es war sehr windig und gab keinen Seitenstreifen, der Verkehr sauste an uns vorbei. Ein LKW hupte laut, überholte und wir hatten gerade noch Zeit, uns in den Straßengraben zu flüchten. Die Bauarbeiter riefen uns zurück auf die unfertige Cuota. Die war zwar noch nicht asphaltiert, aber der grobe, feste Schotter war allemal besser als der Wahnsinnsverkehr. Bild 9
Nach der Kreuzung Richtung San Blas vereinigte sich die Cuota mit der normalen Strasse. Diese war alt und es gab kaum Seitenstreifen und wenn, dann war dieser zugemüllt oder der Asphalt aufgerissen. Der Verkehr war immer noch heftig, steile Berge führten uns durch tropische Wälder in das mexikanische Hochland. Es war heiß und feucht, Chan konnte es im Anhänger nicht mehr aushalten, also legten wir einen Notfallstopp ein. Mit Saft und nur in Unterwäsche bekleidet, war er wieder bereit einzusteigen. Weiter traten wir in die Pedalen, bergauf und immer wieder bergauf, um auf jedem Hügel zu entdecken, dass weitere zu erklimmen vor uns lagen. Mittlerweile war Flo’s Stimmung auf einem Tiefpunkt. Ich versuchte uns aufzumuntern so gut ich konnte. Langsam, ganz langsam, Meter für Meter kamen wir auf eine kaputten Asphaltdecke voran. Endlich erschien ein Mauthäuschen, die erste Übernachtungsgelegenheit heute. Aber zum ersten Mal in Mexiko wurde uns nicht erlaubt, unser Zelt aufzustellen. Also fuhren wir weiter, bergauf und fragten an einem der zahlreichen Geschäfte, auch hier wurden wir fortgeschickt. Die 4 km bergauf bis nach Tepic, konnten wir nicht mehr schaffen. Nicht heute, wir waren kaputt und hatten keine Nerven uns in so einer lauten, großen Stadt noch eine Unterkunft zu suchen. Doch wir mussten weiter. Es gab eine Kindertagestätte ??? auf der andern Straßenseite und dort endlich erlaubte uns die Frau, obwohl der anwesende Mann zögerte, dass wir bleiben durften. Auf einer schönen Grasfläche ihres Grundstückes konnten wir das Zelt aufbauen. Für Chan gab es ein Trampolin, eine Schaukel und Sand zum spielen. Der Besitzer versicherte mir, dass es hier keine gefährlichen Tiere wie Skorpione und Schlangen gab, obwohl uns ein Ladenbesitzer genau davor gewarnt hatte.
Spät am nächsten Morgen erreichten wir die Stadt, zunächst hatten wir einen Platten zu flicken. Wir fuhren geradewegs zum Supermarkt einkaufen. Dort spielte Chan auf den Autos, die sich bewegen und Geräusche machen, wenn man Geld in den Münzeinwurf steckt. Chan wusste davon nichts. Aber die Mexikaner lieben unseren kleinen Blondschopf und manche bezahlten im eine „Fahrt“. Unterdessen versuchte Flo einige Dinge im Internet zu organisieren. Den Rest des Tages verbrachten wir auf einem RV Park (ein Campingplatz, wo vorwiegend Wohnmobile und Anhänger stehen). Dort spielten wir Billard und duschten. Auch am nächsten Tag hatten wir noch einige Dinge zu erledigen und verließen Tepic recht spät. Was für eine Enttäuschung als uns auf am Beginn der Mautfernverkehrstrasse ein Schild „Keine Fahrräder erlaubt“ begrüßte. Wir sahen, dass es dort viel weniger Verkehr gab und einen guten Seitenstreifen. Dennoch drehten wir um, sei es aus Schweizer Korrektheit oder aus Dummheit und nahmen die alte Strasse.
Kurz Zeit später war ich schon wieder völlig erledigt von dem Verkehr, besonders den vielen LKWs, die uns überholten. Wir legten eine Pinkelpause für Chan und mich ein und aßen etwas, bevor wir uns wieder ins Getümmel stürzten. Plötzlich erklang hinter uns eine Sirene und ein Polizeiauto fuhr neben uns. „ Warum fahrt ihr hier??“ „ Es gibt doch die Cuota!“. Wir hielten an und versuchten zu erklären, dass Fahrräder auf der Cuota nicht erlaubt sein. Der Polizist hielt uns für „loco“ und entschloss sich, uns auf die Cuota zu eskortieren. ZU Chans Freude begleitete er uns mit Blaulicht zur nächsten Auffahrt.

“Die Schilder sind mein Problem!” oder so ähnlich, erklärte er uns. Im nächsten Ort tauchte wieder ein Polizeiauto hinter uns auf und wieder mussten wir anhalten. Sie machten Fotos von uns für den Bericht und wollten den Zweck und das Ziel unserer Reise wissen. Als sie endlich zufrieden waren, begleitete uns ein Auto das letzte Stück auf der Cuota. An der Bezahlstation mussten wir warten, weil die Beamten irgendetwas mit dem Kassierer diskutierten. Als sie uns heranwinkten, erklärte man uns, dass wir entweder den Tarif für ein Auto bezahlen müssten oder unsere Fahrräder um das Häuschen herum etwa 10 m durch das Gras schieben müssten. Zunächst dachten wir, dass wäre ein Scherz, aber es war ihr Ernst. Also schoben wir die Fahrräder mit Hilfe der Beamten durch das unwegsame Gelände, während das Polizeiauto derweil die Zufahrt der Cuota blockierte. Nach diesem ungewöhnlichen Erlebnis brauchten wir erst mal eine kleine Stärkung, anschließend fuhren wir auf dem gut ausgebauten Seitenstreifen davon. Es gab nur wenig Verkehr, der uns überholte. Wir wollten nur noch 15 Kilometer bis zu einer Kreuzung fahren, an der wir Häuser oder zumindest ein Geschäft vermuteten. Aber das war ein Fehler auf unserer Karte beziehungsweise ein Missverständnis mit dem Mann an der Bezahlstation, die Kreuzung tauchte nie auf. Als uns klar wurde, was passiert war, hatten wir noch mehr als 20 Kilometer bis zum nächsten Dorf vor uns. Es war bereits ziemlich spät und in einer Stunde würde es dunkel werden. Alle drei waren wir müde, aber einfach am Straßenrand zu zelten, trauten wir uns nicht. Abgesehen davon konnten wir auch keine geeigneten Platz entdecken, da wir entlang eines Lavaschlackefeldes fuhren. Also fuhren wir weiter, bergauf natürlich. Endlich waren wir auf dem Hügel angekommen und dort war ein Schild: nächste Tankstelle 10km. „ Puuh, das könnten wir bis Einbruch der nacht schaffen“, dachte ich. Wir blickten auf ein langes Tal und konnten weit unter uns die Lichter von Jala, dem Ort mit der Tankstelle sehen. Ich begann, die Kilometer zu zählen; 8,7,6 „wir schaffen es, wir schaffen es, wir schaffen es!“ murmelte ich vor mich hin. Dann wurde Flo plötzlich langsamer und hielt an. „ Was ist los?“ rief ich. „Ein Platten!“ So schnell wir konnten, entluden wir Flo’s Fahrrad, demontierten das Rad und wechselten den Schlauch, pumpten ihn auf und beluden das Rad wieder. Inzwischen war es bereits dunkel, wir befestigten die Taschenlampen am Rad und weiter ging es. „5km, 4,… Schon wieder wurde Flo langsamer. Noch ein Platten, wieder das Hinterrad. Also wiederholten wir den ganzen Zirkus erneut. Flo war richtig sauer und sprach kein Wort mehr. Chan war supergeduldig, nur ab und zu wollte er mal meine Hand halten. Flo war gerade zur Weiterfahrt bereit, als ich bemerkte, dass mein Hinterrad ebenfalls platt war. Alle Ersatzschläuche waren bereits aufgebraucht. Flo verlor die Beherrschung, er schmiss sein Fahrrad hin und fluchte. Chan begann zu weinen, noch nie hatte er seinen Vater so gesehen. Ich schrie Flo an: „Krieg dich wieder ein! Pumpe den Schlauch einfach wieder auf, so dass wir weiter können. Es sind nur noch vier Kilometer! Wir brauchen unser Kraft um zu dieser verdammten Pemex Tankstelle zu kommen. Guck dir mal Chan an, wie lieb und geduldig er ist, er hat das nicht verdient!“ Ich gab Flo einige Granola Riegel zu essen und er pumpte den Schlauch auf. Schnell sprang ich auf mein Rad und rollte los. Immer noch 3 Kilometer und schon wieder war mein Reifen platt. Wieder pumpen, noch 2 km, wieder pumpen, ich trat so schnell ich konnte in die Pedale, glücklicherweise ging es bergab. Wir waren schon so nahe, ich konnte die Lichter der Stadt bereits sehen und immer noch war das Ziel außer Reichweite. Noch 1 Kilometer , der Reifen war platt bis auf die Felge, pumpen und weiter, weiter. Ich war an der Ausfahrt, wieder pumpte Flo den Reifen auf und es hielt etwa 500m bis zur Brücke. Inzwischen schob ich mein Rad die Brücke hinauf. Flo wartete oben auf mich. Wieder pumpte er das Rad auf und ich rollte 500m. Da war die Tankstelle. Ich schickte Flo voran und schob das Rad zur Tankstelle. Nie in meinem Leben war habe ich mich so über eine Tankstelle gefreut. Es gab schönen Rasen, der nur darauf wartete, dass wir unser Zelt darauf aufstellten. Flo fragte die Angestellte, ob das möglich wäre und erklärte, dass wir einfach nicht weiter konnten und zeigte auf das platte Hinterrad. Sie erlaubte es uns. Vor Erleichterung, dass wir es endlich geschafft hatten, kamen mir die Tränen. Völlig erledigt und hundemüde kochten wir, spielten noch etwas mit Chan und stellten unser Zelt auf, 21.30 Uhr krochen wir in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Tag fuhren wir lediglich 16 km in die nächst größere Stadt und nahmen ein Hotelzimmer. Am Nachmittag erholten wir uns, saßen auf der Plaza und Chan spielte.
Noch eine Nacht verbrachten wir am Straßenrand an einer Mautstation, dann erreichten wir Guadalajara.
Hier sind wir im Moment und haben gefunden, was wir für die Fahrräder brauchten (5 neue Reifen, ein Band, das man in den Reifen legt, um Platten zu verhindern, neues Felgenband für mein Hinterrad, 2 neue Reifen für Flo’s Fahrrad und wir konnten einen unserer Spiegel in einer Autowerkstatt reparieren). Schließlich bekam ich meine neue Kreditkarte, Flo kaufte eine neue Therm a rest Matte (seine hat schon seit unserem ersten Tag in Mexiko nicht mehr funktioniert) und Chan bekam eine kleine Holztrommel und neue Schuhe, die er bitter nötig hatte. Morgen werden wir die Stadt wieder verlassen.

1 comment for now

One Response to “Erneuter Strandurlaub”

  1. Merle and Linda

    Florian and Rebekka,

    Glad to know you are still at it. Hope all is well. All fine here.

    Much love,
    Merle

    10 Mar 2007 at 10:04 am

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